Rezensionen

Leigh Bardugo: Das neunte Haus

(Werbung – Rezensionsexemplar)

Als ich von Leigh Bardugos neustem Fantasyprojekt erfahren hatte, wollte ich es unbedingt lesen. Damals wusste ich noch nicht wirklich um was es geht. Erst nachdem ich eine Leseprobe und ein paar Gespräche mit der Autorin gelesen hatte, konnte ich sagen: Das ist genau mein Buch. Yale, Verbindungen, dunkle Magie.
Bardugo ist selbst Yale-Absolventin und erzählt in einem Interview, dass sie damals schon wusste, dass sie einen Roman schreiben möchte, der in den Tombs, den Grüften der Studentenverbindungen spielt. Während ihrer Recherchearbeiten hat sie dann die unbequeme Wahrheit darüber ausgegraben, was am Campus wirklich vor sich gegangen ist. Diese hat sie in ihr Buch eingearbeitet und spielt dabei mit den dunkelsten Ausprägungen von Begehren, Macht, Privilegien und Abhängigkeit. Wer ein Buch ähnlich denen aus ihrem Grishaverse erwartet, wird enttäuscht sein. Denn ‚Das neunte Haus‘ hat gar nichts mit ihren Jugendbüchern gemein, ist düster und erwachsen.

Und genauso ist auch Leigh Bardugos Schreibstil. Er ist ungeschliffen und realistisch, teilweise richtig brutal und roh, dann aber auch wieder sehr philosophisch wenn es um Fragen des Lebens oder auch des Todes geht. Sie scheut sich ebenso wenig davor, eine vulgäre Sprache zu verwenden wie auch Kampf- und Gewaltszenen explizit zu beschreiben. Mord, Vergewaltigung, Erniedrigung, all das wird thematisiert und sollte dem Leser bewusst sein, wenn er zu diesem Buch greift.

„Wir sind die Hirten.“

Die Geschichte, die Bardugo erzählt, ist wie ein schmaler Tunnel, der immer breiter wird und irgendwann im Freien endet. Anfangs ist die Sicht auf die Dinge eingeschränkt, die ganzen Verbindungen, Strukturen und Rituale undurchsichtig und fremd. Doch mit der Zeit erschließen sich die gesamten Hintergründe und das ganze Ausmaß dessen, was wirklich vor sich geht und passiert ist. Die Personen erhalten nach und nach eine Geschichte, erhalten Tiefe und ein Profil. Auch die Ermittlungen bezüglich des Mordes bleiben immer spannend, nicht nur aufgrund der Möglichkeiten, die sich durch die Magie eröffnen. Mehr als einmal schickt Bardugo Alex Stern und damit auch uns Leser auf eine falsche Fährte, legt bewusst irreführende Spuren um dann alles in einer Auflösung enden zu lassen, die alle Fäden genial zusammenführt. Alle Fäden, bis auf einen wichtigen und geheimnisvollen Faden, der in Band 2 weitergesponnen wird.


„Magie ist nicht golden und nicht gut, sondern nur eine Ware, die sich wenige Menschen leisten können.“


Die Welt, die die Autorin dabei geschaffen hat, ist komplex und unglaublich interessant. Als die Magie die alte Welt zusammen mit jenen, die sie ausübten, verlassen hat, hat sie einen neuen Platz in New Haven gefunden. Machtströme, sog. Nexus, bilden die Basis der Magie und auf ihnen stehen die Grüfte der Verbindungen. Jede dieser Verbindungen übt eine andere Art der Magie aus, seien es Voraussagen, Portalmagie, Nekromantie oder Gestaltwandlungen. Hinzu kommt, dass die Welt von den Geistern der Toten bevölkert ist, jenen Toten, die aus verschiedensten Gründen nicht ins Jenseits übergehen können. Es ist ungemein fesselnd, diese Welt immer mehr kennenzulernen, ihre Möglichkeiten, Abgründe und Gefahren. Detailliert und durchdacht präsentiert sich das magische Yale, so gekonnt in das reale Leben eingewebt, dass ich mir ohne weiteres vorstellen kann, dass dort in New Haven alles möglich wäre. Sogar dunkle Magie, ausgeübt von den Reichen und Mächtigen, ohne dass sie jemals ernsthafte Konsequenzen fürchten müssen.

„Sie hat Entsetzliches mit angesehen. Aber sie hat nie Magie erlebt.“

Protagonistin Alex Stern hat mich von der ersten Seite mitgerissen. Sie ist eine typische Anti-Heldin, die in ihre Rolle gezwungen wurde, da sie keinen anderen Ausweg gesehen. Lässig, derb und mit viel Ironie und Sarkasmus versucht sie, einen Mord auf dem Campus aufzuklären.
Nach einer alles anderen als einfachen Kindheit, einer harten Jugend und dem Tod ihrer besten Freundin findet sich Alex auf dem Campus von Yale wieder, eine der renommiertesten Universitäten der Vereinigten Staaten. Sie wird Teil des ‚Neunten Hauses‘ namens Lethe, welches die okkulten Aktivitäten der acht Verbindungen des Schleiers, der Grenze zwischen Lebenden und Toten, beaufsichtigt. Denn Sterns besondere Gabe ist es, die Geister der Toten zu sehen. Alex selbst sieht diese Gabe eher als Fluch, denn es hat ihr Leben schon immer verkompliziert. Ein Schlüsselerlebnis in ihrer Schulzeit hat ihre Mitschüler dazu gebracht, sie als Verrückte abzustempeln. Und so nahm ihr Schicksal seinen Lauf: Drogen, Alkohol, falscher Umgang. Die negativen Erlebnisse in ihrem Leben haben Alex geprägt, wie könnten sie nicht. Und doch zerbricht sie nicht daran, hilft den Schwächeren, und denen, die gut zu ihr waren und die ihr geholfen haben. Sie ist nicht verbittert und hat auch nicht genug von diesem harten Leben. Ganz im Gegenteil. Sie will überleben, sie will kämpfen, sie will alt werden, sie will die Chance, die Yale ihr bietet, nutzen.

„Ich möchte, dass du an Magie glaubst.“

Alex Stern ist die wichtigste Person des Buches, ihre Geschichte und ihr Handeln nimmt am meisten Raum ein. Doch auch andere Personen des Hauses Lethe nehmen eine bedeutende Stellung ein, auf die ich dennoch nicht näher eingehen kann ohne zu viel zu verraten. Alex Stern glaubt sich jedoch auf verlorenem Posten und findet Verbündete in jenen, die ihr anfangs nicht sehr wohlgesonnen gegenüber stehen. Doch mit ihrer offenen und direkten Art, schafft sie es, Komplizen zu finden, die ihr helfen, den Mord aufzuklären. Wenn auch nicht mit legalen oder gar irdischen Mitteln.

Ja, dieses Buch, diese Geschichte ist etwas Besonderes. Sie zeigt, dass die Reichen und Privilegierten alles tun können, ohne Konsequenzen zu fürchten. Sie zeigt, dass sich oft in jenen Verbündete finden, mit denen man nicht gerechnet hat. Sie zeigt, dass vieles möglich ist, wenn man die Chance dazu bekommt und es ehrlich will. Sie zeigt, dass es sich lohnt, für Freundschaften zu kämpfen, denn dann bekommt Loyalität zurück. Sie zeigt, dass man sich oft in Menschen täuschen kann und dass viele nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind. Und sie zeigt vor allem: „Der Tod fickt uns alle.“ Aber ein gutes Buch davor schadet ja nicht. 5 Sterne.

Klappentext

Acht mächtige Studenten-Verbindungen beherrschen nicht nur den Campus der Elite-Universität Yale, sondern nehmen seit Generationen Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der USA – das neunte Haus jedoch überwacht die Einhaltung der Regeln. Denn die Macht der Verbindungen beruht auf uralter, dunkler Magie: So können die Mitglieder der »Skull & Bones« die Börsenkurse aus den Eingeweiden lebender Opfer vorhersagen, während Haus Aurelian durch Blutmagie Einfluss auf das geschriebene Wort nehmen kann – ebenso hilfreich für Juristen wie für Bestseller-Autoren …
Als auf dem Campus von Yale eine Studentin brutal ermordet wird, sind die Fähigkeiten der Außenseiterin Alex Stern gefragt, die eben erst vom neunten Haus rekrutiert wurde: Nur Alex ist es auch ohne den Einsatz gefährlicher Magie möglich, die Geister der Toten zu sehen. Um eine Verschwörung aufzudecken, die weit über 100 Jahre zurückreicht, muss Alex ihre Fähigkeiten bis aufs Äußerste ausreizen.

Campus-Leben, dunkle Magie und eine Heldin mit Kult-Potenzial:
»Das neunte Haus« verbindet Urban Fantasy mit Gothic Noir zu einem unwiderstehlichen Mix.
Die Autorin Leigh Bardugo hat mit ihren Fantasy-Bestsellern »Das Lied der Krähen« und »Das Gold der Krähen« ebenso wie mit ihrer Grisha-Trilogie auch in Deutschland bereits eine große Fangemeinde begeistert.

»Der beste Fantasy-Roman, den ich seit Jahren gelesen habe, denn er handelt von echten Menschen. Die Spannweite von Bardugos Vorstellungskraft ist brillant.«
Stephen King

Bibliographie

Knaur HC
Band 1 von 2
ET 03.02.2020
Paperback 18,00 €, eBook 14,99 €
528 Seiten
ISBN 978-3-426-22717-6
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