Rezensionen

Erin Morgenstern: Das sternenlose Meer

(Werbung – Rezensionsexemplar)

Manche Bücher benötigen einfach Zeit, um gelesen zu werden. Ich glaube, auch wenn ich ‚Das sternenlose Meer‘ von Erin Morgenstein nochmal lesen würde, würden mir nicht alle Details auffallen, alle kleinen Hinweise und versteckten Anspielungen. So überbordend an Details und so reich an Ideen ist dieses Buch, voller Fantasie, überwältigend und in seiner Fülle kaum zu erfassen. Eine Geschichte, die mich begeistert hat. Doch das Buch wird die Geister auch scheiden, denn der Schreibstil ist sehr speziell. Ich denke, wenn man den Schreibstil mag, wird man auch das Buch lieben. Wenn nicht, dann ist die ganze Geschichte nichts. Denn es passiert eigentlich nicht viel. Und es ist manchmal verwirrend. Doch am Ende findet jeder seinen Platz.

„Das Buch steht irrtümlich in der Abteilung für Belletristrik, obwohl es größtenteils wahr und der Rest nur allzu wahr ist.“

Zachary Ezra Rawlins ist auf der Suche. Nach sich selbst, nach einem Ziel im Leben. Was er findet ist ein Buch, in dem eine Situation aus seiner Kindheit geschildert wird. Neugierig darauf geworden, wer denn der Verfasser des Buches sein mag, landet er auf einem Maskenball in New York und schließlich am sternenlosen Meer. Auf seinem Weg dorthin trifft er den gutaussehenden Geschichtenerzähler Dorian, die Türen malende Mirabel und Allegra, deren Absichten nicht klar sind, aber nichts Gutes verheißen. Und so beginnt diese Reise, die sich kaum retten kann vor Geschichten, Symbolen, Weisheiten und Metaphern.

„Im Traum ging sie durch den Wald. Die Zweige der Bäume bogen sich unter Kirschblüten, hingen voller Lampions und waren mit Büchern bestückt.“

Erin Morgenstein schreibt so, wie andere Menschen träumen. Ideenreich, detailliert, fantasievoll, die Naturgesetze aufhebend. Alles ist möglich, nichts zu absonderlich oder zu abstrakt. Die Zeit, die sie sich nimmt, um Orte zu beschreiben, Kleinigkeiten oder auch Personen schafft eine Fülle an Informationen, die ich als Leser nur aufnehmen konnte, wenn ich mit meinen Gedanken voll bei der Sache war. Es werden allein durch Beschreibungen Bilder heraufbeschworen, die an Üppigkeit und Übermaß kaum zu überbieten sind. Und doch vermittelt Morgenstern auch eine gewisse Leichtigkeit, schafft durch Witz lockere Augenblicke. Und durch Katzen.

„Bücher liest man besser, als sie zu erklären.“

Es ist schier unmöglich, dieses Buch in Worte zu fassen. Es enthält Geschichten in der Geschichte, die zu Beginn zusammenhangslos erscheinen, aber dann doch Sinn ergeben: Das sind Albträume, auf kleinen Zetteln geschrieben und versteckt, das sind Märchen und Fabeln aber auch Geschichten über die Personen, die eine Rolle spielen. Und dann gibt es diese Kleinigkeiten, die das Buch noch besonderer machen. So  ist die letzte Seite der Zwischenspiele nicht nummeriert, sondern ein Schlüsselloch. Oder jedes Kapitel mit Protagonist Zachary beginnt mit seinem vollen Namen. Doch über diesen liebevollen Details schwebt immer das große Ganze, das für mich tatsächlich erst auf den letzten Seiten erkennbar wurde. So wird eine Szene relativ zu Beginn des Buches hunderte Seiten später aus einer anderen Sicht geschildert und ergibt dann erst Sinn. Ich liebe solche Bücher, die mich anfangs ratlos dastehen lassen und sich dann aber von Seite zu Seite offenbaren. Das ist hier unglaublich gut gelungen.

 „Auf das Suchen. – Auf das Finden.“

Ich wusste nicht, was ich gesucht habe. Aber ich habe diese tolle Geschichte gefunden, die nachhallt und etwas ganz besonderes und außergewöhnliches ist. Ich habe das Buch sehr langsam gelesen, um alles aufnehmen zu können. Dadurch hat es sich wie ein Eintauchen angefühlt, wie meine eigene Reise ans sternenlose Meer. Ich bin immer noch überwältigt von diesem Ideenreichtum und frage mich, wie man es schafft, so ein Buch zu schreiben. Was für Mensch ist Erin Morgenstein, die es vermag, solche Welten zu erschaffen, solche Geschichten? 5 Sterne.

Klappentext

Eigentlich arbeitet Zachary Ezra Rawlins an seiner Promotion, doch er kommt nicht weiter. Denn immer, wenn er in der Bibliothek ist, sucht er ein Buch auf, das zwischen den Regalen versteckt liegt. Ein Buch, in dem Zachary eines Tages eine Schilderung seiner eigenen Kindheit findet. Aber wie ist das möglich? Auf der Suche nach dem Geheimnis dieses Buches entdeckt Zachary eine unterirdische Welt voller Bücher am Ufer eines sternenlosen Meers, wo er schließlich eine Verschwörung aufdecken und für die Liebe seines Lebens kämpfen muss.

******************************************

Für einen Blick ins Buch klicke auf das Cover

Bibliographie

Karl Blessing Verlag
Übersetzt von Karin Will
Einzelband
ET: 25.05.2020
Hardcover 22,00 €, eBook 17,99 €
640 Seiten
ISBN: 978-3-89667-657-3
Bestellen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.