Rezensionen

R.F. Kuang: Im Zeichen der Mohnblume – Die Kaiserin

Was für ein zweiter Teil! ‚Im Zeichen der Mohnblume – Die Kaiserin‘ ist anders als der erste Teil, weniger brutal und grausam. Viel ruhiger, politischer, strategischer. Und epischer.

Die 800 Seiten dieses Mittelbands sind leider viel zu schnell weggelesen. Der Schreibstil Kuangs macht es einem so leicht, den Geschehnissen zu folgen. Sie sind weniger raumgreifend und einnehmend wie im ersten Band, dessen grausame Szenen mich immer noch schaudern lassen. Es herrscht immer noch Krieg, doch die Beschreibungen sind nicht mehr derart explizit. Man merkt aber trotzdem, welch Leid über die Bevölkerung gebracht wurde. Vergewaltigungen, Folter und Tod sind immer noch allgegenwärtig.

Rin, gebeutelt nach den Geschehnissen in Golyn Niis, ist als Phönix sehr begehrt, kann sie doch über das Schicksal Nikans entscheiden. Nur welche Seite ist die richtige? Die der Republik des Drachenkriegsherrn oder die von Kaiserin Daji, die sich als mächtiger entpuppt als angenommen? Hin- und hergerissen zwischen diesen beiden Seiten, jedoch weg vom Opium, trauert Rin immer noch um Altan, findet sich selbst unzulänglich und nicht dazu fähig, Kommandantin der Cike zu sein bzw. zu bleiben. Sie hadert so sehr, dass sie sich lieber als Befehlsempfängerin verdingt, als sich einzugestehen, was sie will: Die Freiheit, selbst Entscheidungen zu treffen. Auch wenn sie meint, dass Krieg führen und kämpfen alles ist, was sie kann.

Ich möchte nichts zur Geschichte verraten, da ziemlich viel passiert und doch im Vergleich zum ersten Teil wenig. Aber das ist ein trügerisches Gefühl, weil die Ereignisse in ‚DieSchamanin‘ einfach so raumgreifend waren – wegen ihrer Brutalität und Grausamkeit. In ‚Die Kaiserin‘ positionieren sich die Gegner neu und gehen in Aufstellung für den Finalband. Doch der Weg dahin ist nicht ganz einfach. Es werden neue Verbündete gefunden und wieder fallen gelassen, nachdem sich herausstellt, dass die Ziele doch nicht so mit den eigenen konform gehen bzw. die Erreichung der selbigen.  Es werden alte Bekannte wieder getroffen, die man als Freunde bezeichnen könnte – um sich dann als der Feind zu entpuppen. Es passiert also doch einiges, durch die ruhige Erzählweise jedoch kommt es zumindest mir nicht so vor. Und trotzdem bin ich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Ich liebe nämlich diese Art der Geschichte, diese Epik der Geschehnisse. ‚Die Kaiserin‘ ist geprägt von strategischen und politischen Entscheidungen, von der Suche nach Verbündeten. Und dem Kampf der Republik gegen das Kaiserreich. Der Tod ist ständiger Begleiter, Verrat, Aufopferung und Ausnutzung an der Tagesordnung.

Gott sei Dank hat sich ‚Die Kaiserin‘ also als würdiger Nachfolger des ersten Teils entpuppt, auch wenn er ganz anders ist von der Dramatik her. Doch ich mag diese Epik und hätte gern nochmal 800 Seiten gelesen. Der Erzählstil fesselt mich so ungemein und ich kann es kaum erwarten, weiterzulesen. Vielleicht ja auch auf Englisch, denn aller Voraussicht nach erscheint Teil 3 erst 2022 auf Deutsch. 5 Sterne.

Klappentext zum Reihenauftakt ‚Die Schamanin‘

Rin ist ein einfaches Waisenmädchen, das im Süden des Kaiserreichs Nikan lebt. Ihre Adoptiveltern benutzen sie als billige Arbeitskraft, und um sie herum gibt es nur Armut, Drogensucht und Ödnis. Um diesem Leben zu entfliehen, setzt sie alles daran, um an der Eliteakademie von Sinegard aufgenommen zu werden. Doch auch dort wird Rin wegen ihrer Herkunft verspottet und ausgegrenzt. Da bricht ein Krieg gegen das Nachbarreich aus. Rin muss nun kämpfen und entdeckt dabei, dass ihre Welt nie so einfach war, wie sie geglaubt hatte – und dass sie zu viel mehr in der Lage ist, als sie selbst je für möglich gehalten hätte.

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Bibliographie

Blanvalet
Band 2 von 3 der Reihe ‚Die Legende der Schamanin‘
Übersetzt von Michaela Link
ET: 16.11.2020
Paperback 16,00 €, eBook 12,99 €
800 Seiten
ISBN: 978-3-7341-6231-2
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