Rezensionen

Kira Mohn: Free Like The Wind

Zu Beginn des Buches dachte ich, dass mir der zweite und letzte Teil der ‚Kanada‘-Reihe von Kira Mohn nicht so gut gefallen wird wie der erste. Ich mochte Haven und Jackson einfach so gerne, es war ein richtiger Wohlfühlroman mit schönen Beschreibungen der Natur und ich konnte mich darin richtig fallen lassen. Rae und Cayden hingegen waren im ersten Teil nur Nebenfiguren und vor allem letzterer war mir sehr unsympathisch. Doch dann hat Kira Mohn hier eine derart berührende Geschichte geschrieben, die mein Innerstes schier zerriss. Wie schafft man es, Worte so hintereinanderzureihen, dass man jeden Gedankengang der Protagonisten versteht, jeden Gedankengang nachvollziehen kann? Und der einen auf eine so intensive Art und Weise mitfühlen lassen?

Die Geschichte startet in Edmonton und wenn ich den Klappentext gelesen hätte, wüsste ich, dass ich nicht hätte hoffen müssen, dass es zurück in den Jasper Nationalpark geht. Die Beschreibungen der Natur, die Stimmung dort, das Licht – das war es, was mir im ersten Teil so gut gefallen hat. Und ich hoffte auf mehr. Im Nachhinein denke ich mir, Gott sei Dank war ‚Free Like The Wind‘ eine andere Art Buch. Sonst wäre es vermutlich einfach die gleiche Geschichte geworden, nur anders erzählt. Doch diese Naturnähe passte nur zu Haven, bei Rae wäre diese einfach nicht überzeugend gewesen. Hier liegt der Fokus der Autorin nun auf der Bewältigung eines einschneidenden Ereignisses, das Rae zerbrochen zurückgelassen hat. Es wird von Anfang an angedeutet, was denn passiert sein mag, dass Raes Familie die alte Heimat verlassen und immer noch nicht wieder richtig zusammengefunden hat. Und als es dann ausgesprochen ist, ändert sich die Geschichte. Sie war vorher schon nicht oberflächlich, doch dann offenbart uns Rae ihr Innerstes – und um mich ist es geschehen. Kira Mohn findet Worte für das Unaussprechliche, für den Schmerz, die Hilflosigkeit und die Schuld, die sich Rae gibt. Für die Angst, es auszusprechen, für die langsame Erkenntnis darüber, dass Rae nichts hätte machen können. Selten habe ich so mit einer Protagonistin mitfühlen können, selten hat mich die Tiefe in einem Liebesroman mehr beeindruckt.

Auch Cayden, der mir anfangs noch so unsympathisch war, hat einen Grund für sein Verhalten. Natürlich. Seine Geschichte fand ich ebenfalls gut und gefühlvoll ausgearbeitet, aber ich konnte nie so mit ihm mitfühlen wie mit Rae. Er hat mich jedoch mit seiner Verletzlichkeit und seiner Empathie überrascht. Und man merkt wieder, wie einfach es ist, seinen Freunden, der ganzen Gesellschaft etwas vorzuspielen. Den Schmerz und die Angst hinter einer dicken Mauer zu verstecken, die ein völlig falsches Bild vermittelt. Bis jemand kommt, der hinter diese Fassade blickt. Und dich versteht. Und der dir hilft, den Schmerz zu überwinden. 5 Sterne.

Klappentext

Rae ist ein typisches Großstadtkind. Sie genießt die Anonymität, die Schnelligkeit, die Abwechslung der Stadt. Nirgends kann man sich selbst besser vergessen. Wenn man ihr vor einem Jahr gesagt hätte, dass sie sich, nur mit einem Rucksack bewaffnet, auf eine monatelange Wanderung durch die Wildnis von Kanada aufmachen würde, hätte sie gelacht. Aber genau das tut sie jetzt. Weil sie so nicht weitermachen kann. Weil sie lernen muss, allein zu sein. Weil sie sich endlich von ihrem Schmerz befreien will. Nur ist sie auf ihrer Wanderung nicht ganz so allein wie ursprünglich geplant, denn gegen ihren Willen schließt sich ihr Cayden an. Ausgerechnet Cayden. Er ist ein Aufreißer, nimmt nichts ernst und geht ihr gehörig auf die Nerven – bis er sie hinter seine Maske blicken lässt …

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Bibliographie

Rowohlt Polaris
Band 2 von 2 der Reihe ‚Kanada‘
ET: 26.01.2021
Paperback 12,99 €, eBook 9,99 €
368 Seiten
ISBN: 978-3-499-00400-1
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