Rezensionen

Beatrice Jacoby: Aschehonig

(Werbung – Rezensionsexemplar)

Zwei Sachen weiß ich mit Sicherheit. Erstens: ‚Aschehonig‘ von Beatrice Jacoby ist der düsterste Impresstitel, den ich je gelesen habe. Und zweitens: Die Geschichte hat mich sowas von fasziniert! Trotzdem brauchte ich ein bisschen, um in sie hinein zu finden. Doch je mehr ich gelesen habe, je mehr sich die Geschichte entwickelt hat, desto besser gefiel sie mir und desto mehr hat sie mich in ihren Bann gezogen.

‚Aschehonig‘ spielt in einer Welt, die die unsere ist. Und zwar, wenn ich richtig gerechnet habe, um das Jahr 2051. Und doch ist es nicht mehr die Welt, die wir kennen. Vor 20 Jahren hat die Natur zurückgeschlagen und die Zivilisation teilweise vereinnahmt. Zurückerobert. Bienen existieren nur noch als domestizierte Art, bestimmtes Obst ist ein Luxusgut, Blumen ebenso. Und der Wald, der den Angriff auf die Menschheit gestartet hat, ist mittlerweile hinter einer Mauer eingesperrt.
Auf Protagonistin Giselle hat dieser Wald schon immer eine unerklärliche Faszination ausgeübt. Als Bienenhüterin ist sie der Natur zumindest so nah, wie es in der Welt vor der Mauer möglich ist. Als sie eines Tages eine Biene entdeckt, die eigentlich nicht mehr existieren dürfte, will sie ihrer Herkunft auf den Grund gehen – und ihr Weg führt sie in eben jenen Wald, der seit zwei Jahrzehnten gemieden wird.

Die Geschichte wird nicht nur aus Giselles Sicht erzählt, sondern auch aus der ihrer Freunde. Das gefiel mir, denn es eröffnet mehr Blickwinkel. Jede der vier Personen hatte einen anderen Grund, Giselle hinter die Mauer zu begleiten und ich mochte die jeweiligen Entwicklungen, die sie dort durchliefen, sehr. Denn sie wurden teilweise an ihre Grenzen gebracht, psychisch wie physisch. Im Wald warten nämlich so einige Gefahren, die nicht nur außerhalb der Gruppe lauern.
Der Wald übt keineswegs allein auf die Protagonisten einen Sog aus, auch mich hat er irgendwann so vereinnahmt, dass ich das Buch innerhalb eines Tages gelesen habe. Es ist auch meiner Faszination für die Atmosphäre geschuldet, die Beatrice Jacoby hier allein mit der Wahl ihrer Worte geschaffen hat. Ihren Schreibstil kannte ich schon von ‚Die Mottenkönigin‘ und ich finde, dass sie bei ihrem neuesten Roman noch eine Schippe draufgesetzt hat. Schon allein die korrekte Verwendung des Genitivs wirkt elegant, die Beschreibungen sind bildhaft und detailliert. Ich konnte die Dunkelheit des Waldes förmlich spüren, die Gefahren im Dickicht, das Unbekannte. Eine düstere und bedrohliche Stimmung, die die Ereignisse perfekt in Szene setzt.

Trotz der Düsterheit findest du in ‚Aschehonig‘ auch eine Liebesgeschichte, die einerseits immer präsent ist, aber andererseits nie dominiert. Ich fand schon mal die Konstellation, wie die Liebe verteilt war, herrlich erfrischend. Und noch dazu wurde sich nicht kitschig nach Liebe verzehrt. In Extremsituationen, wie sie die Figuren erleben, können Gefühle natürlich intensiver werden und stärker hervortreten. Doch ich habe es nicht als das alles bestimmende Thema empfunden, sondern wie gesagt eher als omnipräsent, aber nicht aufdringlich. Das hat auf diese Weise auch gut zur Geschichte gepasst, anders hätte es mir womöglich nicht so gut gefallen.

Der Umweltaspekt, mit dem im Klappentext geworben wird, ist dahingehend nicht wirklich vorhanden. Natürlich ist die Ausgangssituation unserem Umgang mit der Natur geschuldet, denn sie hat uns Menschen für unser Verhalten bestraft und sich einen Teil zurückgeholt. Doch wer nun Angst hat, eine Geschichte mit erhobenem Zeigefinger lesen zu müssen, den kann ich beruhigen.

Manche Dinge aber gefielen mir an der Geschichte nicht so gut. Kleinigkeiten, die mich aber ein bisschen genervt haben. So z.B. Ukrainer Alexej, der gefühlt nur ein russisches Wort wiederholt, egal ob es in die Situation passt oder nicht. Versteh mich nicht falsch, er redet ganz normal, doch wenn er ein russisches Wort fallen lässt, ist es meist das gleiche. Bei Giselle wird immer wieder aufgegriffen, wie kränklich und schwächlich sie als Waisenkind war und das sie jetzt immer noch so dünn ist und wenig robust wirkt. Es macht natürlich einen Teil ihres Wesens aus, doch wir Leser*innen können uns durchaus Dinge merken, ohne diese immer wieder zu lesen zu müssen.

Doch genug davon, denn ich möchte diese Rezension mit einer Leseempfehlung enden lassen. Beatrice Jacoby hat nämlich mit ‚Aschehonig‘ eine ganz besondere Geschichte geschaffen. Dystopisch und düster, mit Charakteren, die einer extremen Situation ausgesetzt sind, die sie an ihre Grenzen bringen wird. Spannend und mit einer Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Faszinierend und bedrohlich, mit einem Schreibstil, so detailliert und bildhaft, wie man sich das nur wünschen kann. 4 Sterne.

Klappentext

**Wenn Liebe süß wie Honig schmeckt, schmerzt sie wie der Stich einer Biene …**
Die Natur hat sich ihr Reich schon lange zurückerobert: Wälder wurden lebendig und verschlangen ganze Städte. Seitdem setzt kein Mensch mehr einen Fuß in die überwucherten, lebensbedrohlichen Gebiete. Bis jetzt. Bienenhüterin Giselle spürt eine eigentümliche Verbindung zu den Geschöpfen des Waldes. Sie sucht nach einer Rettung für die Bienen – und die Zukunft. Gemeinsam mit Alexej, der ihr Herz mit jedem tiefgründigen Blick in Aufruhr versetzt, und zwei Freunden wagt sie sich in das lebendige Dickicht. Doch je tiefer sie in den Wald vordringen, desto größer werden die Geheimnisse, die zwischen ihnen allen stehen …

Grandiose Mischung aus Romantasy und Umweltroman
Auf einzigartige und sensible Weise verwebt Beatrice Jacoby die berührende Liebesgeschichte einer Bienenhüterin mit großen und wichtigen Umweltthemen. Sie gewährt ihren Leser*innen dabei einen Einblick in die besondere Welt der Bienen und setzt ein Statement für den Schutz unserer Wälder.

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Bibliographie

Carlsen Impress
Einzelband
ET: 22.05.2021
eBook 2,99 €, Taschenbuch 12,99 € (ET: 28.06.2021)
300 Seiten
Ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-646-60743-7
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