Rezensionen

V.E. Schwab: Vicious – Das Böse in uns

V.E. Schwabs Trilogieauftakt ‚Vicious – Das Böse in uns‘ ist eine andere Heldengeschichte, als man sie sonst so kennen mag. Sie zeigt, dass nicht Superkräfte einen Helden definieren – sondern das, was man daraus macht. Aber so toll diese Idee ist und so gut sie mir gefallen hat, ist der letzte Funke doch nicht auf mich übergesprungen.

Jedoch allein schon wegen Schwabs Schreibstil ist ‚Vicious‘ immer eine Empfehlung wert. Wie sie die Charakterzüge ihrer Figuren herausarbeitet ist eine wahre Schau. Authentisch und nachvollziehbar, moralisch auf keinen Fall einwandfrei, mit Eigenschaften, die einem die Figur einerseits mögen lässt und andererseits auch irgendwie nicht. Den Fanatismus, dem sich ein Charakter hingibt, die Rechtfertigung, die dieser für sein Handeln findet. Und dann die kühle Abgeklärtheit der anderen Figur, die sich ihres Handelns und den Folgen daraus mehr als bewusst ist. Und immer das Extrem, das aufgrund der Superkräfte in jeder Aktion spürbar ist. Ein Wanderung am Abgrund, die ganze Geschichte hindurch, ein Spiel Gut gegen Böse. Wobei Ersteres eigentlich Auslegungssache ist und im Auge des Betrachters liegt. Dafür hat Letzteres so unglaublich tolle Abstufungen und Facetten, dass es eine Freude ist, darüber zu lesen. Und davon wird man lesen. Viel und eigentlich immer. Denn ‚Vicious‘ ist ziemlich düster und brutal, böse und geheimnisvoll.

Und dann noch diese ganze Sache mit den Superkräften. Sooo interessant! Schon allein, wie die sogenannten ExtraOrdinären (kurz EOs) entstehen, wie sich ihre Fähigkeiten manifestieren, wie sie mit ihrer zweiten Chance umgehen, dabei mit ihrem Schicksal hadern oder ihre Kräfte bestens zu nutzen wissen. Die Vielseitigkeit kann hier ebenso punkten wie Schwabs  bewusste, anfängliche „Geheimhaltung“  der Fähigkeiten der einzelnen EOs, damit man selbst Vermutungen anstellen kann und die Spannung noch etwas erhöht wird.

Was mir auch gut gefallen hat, selbst wenn es mich mitunter, vor allem zu Beginn, sehr verwirrt hat, war die Erzählweise der Geschichte. Was ist das Gegenteil von linear? Dann habt ihr die Kapitelaufteilung in ‚Vicious‘. „Vor zehn Jahren“ oder „Zwei Tage vorher“ sind die Zeitangaben, mit denen man sich erst mal zurecht finden muss. Denn von welchem Ereignis geht die Zeitrechnung Schwabs aus? Eigentlich ist das gar nicht so wichtig, aber die Kürze der Kapitel und das dauernde Hin- und Herspringen auf der Zeitachse ließen mich des Öfteren innehalten um nochmal kurz darüber nachzudenken, wo ich mich zeitlich denn eigentlich gerade befinde. Schon irgendwie cool gemacht, aber ich finde, dass dabei sowohl die Tiefe der Figuren als auch die Beziehung zueinander etwas auf der Strecke geblieben ist. Da hatte ich mir noch ein bisschen mehr gewünscht.

Warum es für mich trotz der Liebe zur Idee und zur Erzählweise nicht für die ganze Punktzahl reicht? Irgendwas hat mir gefehlt. Es war spannend und düster und geheimnisvoll. Aber es hat mich nicht vollends gepackt und mitgerissen. Weiterlesen werde ich auf alle Fälle, Band 2 liegt schon bereit. Band 3 erscheint irgendwann in den nächsten Jahren, so Gott und VE Schwab wollen. 4 Sterne.

Klappentext

Victor Vale und Eli Ever wollen sterben. Allerdings nicht, um tot zu bleiben, sondern um mit außergewöhnlichen Fähigkeiten wieder aufzuerstehen. Als junge, brillante Medizinstudenten wissen sie genau, was sie tun. Sie planen das Experiment minutiös ? und haben Erfolg: Beide kommen verwandelt wieder ins Leben zurück. Eli entwickelt eine erstaunliche Regenerationskraft und wird praktisch unsterblich, Victor kann anderen Schmerz zufügen oder nehmen.
Was sie nicht unter Kontrolle haben, ist die Tragödie, die durch ihr Experiment ausgelöst wird. Denn Superkräfte allein machen keine Helden …

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Bibliographie

Fischer TOR
Band 1 von 3 der Reihe ‚Villains‘
Originaltitel: Vicious
Autor*in: V.E. Schwab
Übersetzt von Petra Huber und Sara Riffel
ET: 27.11.2019
Seiten: 400
ISBN: 9783596705030

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