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Interview mit Elin Bedelis, Autorin der ‚Pyria‘-Trilogie

Am 15. Juli ist das Finale der ‚Pyria‘-Trilogie erschienen. Ein guter Zeitpunkt, um mit der Autorin Elin Bedelis über ihre Bücher zu sprechen, über die Charaktere, und darüber, worauf wir Leser*innen uns vielleicht zukünftig freuen dürfen.

Liebe Elly, jetzt ist es vorbei. Wie fühlst du dich, nachdem du dein neuestes Buch veröffentlicht hast und die Trilogie einen Abschluss gefunden hat?

Es ist der Wahnsinn! Noch nicht einmal ein Jahr ist es her, seit ich Band eins das erste Mal in der Hand gehalten habe und jetzt kann ich mit der ganzen Reihe kuscheln, Menschen haben es gelesen und vor allem gemocht! Das geht überhaupt nicht in meinen Kopf rein. Manchmal sitze ich hier einfach rum und denke mir, dass das unmöglich mein Buch sein kann. Ich kann es kaum erwarten, jetzt die Reaktionen auf Band drei zu sehen, weil da ja doch noch einige richtig große Rätsel gelöst werden.

Stand für dich das Ende der Geschichte von Anfang an fest oder hast du es im Laufe der Schreibzeit geändert? Vielleicht hier noch ein Happy End eingebaut und da noch eine kleine Rache verübt?

Ich bin so eine Pantserin, ich hatte keine Ahnung wo es hingeht. Je weiter es auf das Ende zuging, desto klarer wurde es natürlich, aber es sind schon viele Dinge passiert, die mich selbst überrascht haben. Ich verstehe die Reihe ja allgemein als Machairis Geschichte, die sich mit denen seiner Begleiter:innen verwebt. Insgesamt bin ich recht zufrieden mit all diesen Enden. Da mischen sich Happy Ends mit Tragic Ends. Nicht alle haben bekommen, was sie verdienen, aber vielleicht trotzdem das Passendste? Im Grunde bin ich mit allem zufrieden und es fühlt sich so an, als wäre die Geschichte zu dem Ende gekommen, das ich wollte. Kommen sehen habe ich das wenigste davon, aber das macht für mich auch ein bisschen den Reiz am Schreiben aus.

Würdest du rückblickend noch etwas an der Geschichte ändern wollen? Vielleicht weniger Charaktere leiden lassen..

Ha, nice try 😉. Nein, sie leiden alle sehr schön, das darf gerne so bleiben XD. Ich habe die Bücher jetzt zum Abschluss tatsächlich nochmal gelesen und es gibt so einzelne Stellen, an denen ich sprachlich nochmal was drehen könnte. Man entwickelt sich ja auch weiter und lernt dazu. Entsprechend beinhaltet vor allem Band eins so ein paar Stellen, die ich eventuell heute anders handhaben würde, aber insgesamt bin ich noch immer sehr zufrieden mit der Reihe und meinem Buchbaby. Besonders mit dem Leiden natürlich 😉 Inhaltlich habe ich bislang nichts gefunden, was ich so streichen oder anpassen würde.

Um an die vorherige Frage anzuschließen: In drei Büchern habe ich eine ganze Palette an Emotionen durchlebt. Wie ist das für dich als Autorin? Wahrst du professionelle Distanz?

Natürlich fühlt man mit, da führt ja gar kein Weg dran vorbei. Wenn ich ein Vicakapitel geschrieben hatte, musste ich danach erstmal meine ganze Wut loswerden und Gwynkapitel konnten schon mal ganz schön in ein Tief führen. Ich habe geweint beim Schreiben – vielleicht sogar mehr als die Leser:innen, weil man ja auch nicht alles aufschreibt – und natürlich taten sie mir manchmal ganz furchtbar leid und ich wollte sie eigentlich lieber in den Arm nehmen als sie weiter zu quälen. Da streiten dann zwei Stimmen, die eine, die die optimale Szene schreiben will und das Potenzial des Furchtbaren genießt, die andere möchte eine gute Freundin für die Personen sein und sie retten. Distanz ist da eigentlich keine Option. Es ist aber nicht so, dass ich mich selbst nachhaltig traumatisiert hätte. Beim Schreiben war ich also voll drin, aber danach konnte ich sie auch (meistens) zwischen den Seiten lassen und nach kurzer Zeit mit meinen eigenen Emotionen im echten Leben fortfahren 😊

Welche deiner Figuren hat sich in deinen Augen im Laufe der Trilogie am besten entwickelt?

Das ist schwierig! Vica und Mico starten an einem ähnlichen Punkt und landen am Ende an sehr verschiedenen Stellen. Vica ist einfach einer meiner besseren Moves, muss ich mich mal ganz schamlos selbst loben. Die beiden im Zusammenspiel sind über die drei Bücher hinweg immer sehr interessant, weil sie eine riesige Bandbreite von Verhältnissen durchlaufen, was in Band drei natürlich gipfelt. Ansonsten ist Machairis Entwicklung immer wieder cool. Ich hatte meinen Spaß daran, ihn aufzubrechen und seine Mauern mit dem Rammbock einzurennen. Vor allem wenn man vor dem Buch ansetzt, hat der echt ein entwicklungsreiches Leben hinter sich. Bei ihm war es mir vor allem wichtig, dass er seine etwas gruselige, halb unnatürliche Art behält und trotzdem langsam immer mehr seine Fehler zeigt – und damit umzugehen lernt. Den Grad zwischen Menschlichkeit und dem Schatten zu finden, war eine ziemliche Herausforderung, aber ich bin ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis! Viele meiner Charaktere machen halt keine 180-Grad-Wende, sondern bauen aus, was sie von Anfang an sind, entweder im Positiven oder im Negativen. Leén ist dafür ein gutes Beispiel. Da hab ich schon gehört „hm, die entwickelt sich ja gar nicht“, aber wenn man genauer darüber nachdenkt und sie mal zwischen Band 1 und 3 vergleicht, wird sie doch nennenswert erwachsener, kontrollierter, realistischer und stärker. Mein persönlicher Favorit bleibt aber natürlich Machairi.

Wenn deine Charaktere über die Trilogie sprechen würden wie Schauspieler über ihre Filmrollen, was würden sie sagen?

Gwyn (grinsend): Es ist schon witzig, dass Gwyn immer genau das tut, was er nicht tun sollte – und das obwohl ihm völlig bewusst ist, dass er einen Fehler macht. Wenn er mehr auf seinen Verstand hören würde, könnte er selbst Machairi in vielen Dingen voraus sein. Ich glaube, er macht einfach so viel durch in dieser Reihe, dass er nicht so richtig die Zeit hat, um zu sich zurückzufinden, aber er hat doch das größte Herz und ist natürlich der Coolste! (*Augenzwinkern*)

Vica: Vica ist total unterbewertet. Ich möchte mal sehen, wie ihr damit umgehen würdet, wenn ihr in ihrer Situation wärt. Sie reagiert vielleicht nicht immer optimal und trifft ein paar fragwürdige Entscheidungen, aber im Grunde tun die anderen das doch auch. Ich finde, dass niemand von ihr verlangen kann, dass sie das alles hinnehmen muss. Klar, sie übertreibt es, aber sie hat auch nicht Unrecht, dass Machairi das schon hätte stoppen können, wenn er sich Mühe gegeben hätte. Im Endeffekt hätte sie nur etwas realistischer mit sich und ihren Plänen umgehen müssen, dann hätte sie doch eigentlich Recht, oder nicht?

Machairi: *benutzt die Bücher als Messerzielscheibe* …. Oder vielleicht mich … … … vermutlich mich

Kiss, Marry, Kill! Welchen Charakter aus ‚Pyria‘ würdest du küssen, welchen heiraten und welchen um die Ecke bringen? Hier interessiert uns natürlich auch, warum du gerade diese Figuren ausgewählt hast.

Wow, das ist cool! 😀

Kiss – Ich glaub da fällt die Wahl auf Machairi. Eigentlich dachte ich gerade erst, dass ich ihn heiraten würde, aber wenn wir mal ehrlich sind, ist das eventuell eine nervenaufreibende Sache. Außerdem ist der aktuell einfach nicht bereit für eine gesunde Beziehung. Für ein bisschen Zuneigung hingegen ist er absolut überfällig. Wenn ich eine Beziehung zu ihm aufbauen könnte, die einen Kuss erlaubt – sei es auch nur auf die Wange – wäre das sicher nett für alle Beteiligten. (Abgesehen davon, dass er mich langsam zu Tode quälen würde, wenn er wüsste, dass ich ihm das alles angetan habe …)

Marry – Zedian! Charme, Looks, Brain – der ist das absolute Dreampaket! Auch wenn mein kleiner Messerpsychopath eigentlich mein Liebling ist, ist Zedian doch von Anfang an weit oben auf der Topskala gewesen und der ist halt einfach besser geeignet für eine echte Beziehung. Mit ihm könnte man sich trotz allem auf Augenhöhe bewegen und der Respekt würde sehr sicher auf Gegenseitigkeit beruhen. Außerdem ist er natürlich unschlagbar charmant und genau das richtige Maß an gerechtfertigt selbstbewusst und aufmerksam. Da sehe ich alle Voraussetzungen für eine gesunde Beziehung.

Kill – Spontan dachte ich „Vica!“, aber eigentlich ist sie zu cool, um einfach so zu sterben. Wenn der Mord dramaturgisch sinnvoll und erzählerisch spannend von Statten gehen kann, würde ich sie potenziell alle murksen XD, je nachdem wie es am besten in die Story passt. Wenn ich die Person töten soll, die mir am „egalsten“ ist, müsste die Wahl nach dem Ausschlussverfahren auf Kory fallen. Zu ihr hatte ich nie die gleiche enge Bindung wie zu den anderen und auch wenn es mir um sie leidtun würde, könnte ich auf sie vermutlich am ehesten verzichten. (Wenn es ein Nebencharakter sein darf: Weg mit Evima. Niemand will Evima.)

Oftmals gibt es ja z.B. Charakterzeichnungen, die Fantasyfiguren in unserer Welt und in unserer Zeit darstellen. Wenn du dir deine Figuren in so einem Umfeld vorstellen würdest, wie wären sie? Welchen Hobbys würden sie nachgehen, welche Jobs ausüben?

Ich glaube Leén wäre so eine richtige Instagrambloggerin in irgendeiner netten Nische. Wer weiß, vielleicht wäre sie sogar eine gute Buchbloggerin! Bookstagram würde ihr auf jeden Fall gefallen und sie würde mega viel Zeit und Arbeit in ihre Fotos stecken. Ansonsten wäre sie vermutlich hier ebenso harmlos wie in Pyria und vermutlich in einem gesellschaftswissenschaftlichen Bereich gelandet. Vielleicht hätte sie auch etwas wie Soziale Arbeit studiert.

Gwyn wäre so jemand, der nach 24 Semestern immer noch im Bachelor in irgendeinem Studiengang hängt, den er hauptsächlich angefangen hat, weil er nicht wusste was er machen sollte, der aber in einer Ausbildung sehr viel besser aufgehoben gewesen wäre. Stattdessen verbrächte der seine Tage jetzt auf Reisen, von denen niemand weiß, wie er sie finanziert und auf Festivals, Feiern und mit Freunden. Außerdem würde er sein Talent für dumme Situationen und überfürsorgliche Entscheidungen natürlich mitbringen und sich stets darum bemühen, dass alle eine gute Zeit haben und immer ein offenes Ohr anbieten.

Kory wäre ja noch ein Schulkind, vermutlich ziemlich durchschnittlich, aber aus Pflichtgefühl auf dem Weg zum Abitur und ansonsten viel zuhause und im Internet. Vica hingegen hätte die Schule geschmissen, sobald es irgendwie möglich wäre und sich zurückgezogen. Wenn man ganz ehrlich ist, würde sie vermutlich durchs System fallen und wäre gefährdet, in irgendwelche Drogengeschichten verwickelt zu werden. Falls sie es doch irgendwie schaffen würde, sich anzupassen, könnte sie eine gute Biologin sein und wenn sie ihre Individualität richtig channeln kann, richtig was erreichen.

Mico wäre vermutlich auch hier Kind eines erfolgreichen Unternehmers irgendwo. Außerdem hätte er eine bessere Kindheit mit Mutter und dafür ohne Magie gehabt. Als Kind zweier hoch dekorierter Akademiker hätte er garantiert in der Jugend eine rebellische Phase, in der er sich irgendwo ins Ausland verzieht und alles Mögliche ausprobiert und würde dann aber zurückkommen und eine Karriere hinlegen, die ihm vorher niemand zugetraut hätte. Vermutlich im naturwissenschaftlichen Bereich. 

Und M. Oh dear. Wir würden alle seinen Namen kennen, bevor er 25 wäre. Der wäre diese Art Kind, der mit 17 von zuhause ein Startup gründet und bis zum Abitur Millionen einstreicht. Seine Vorgeschichte will ich jetzt nicht zu sehr beleuchten, aber gehen wir irgendwie mal davon aus, dass die Ausgangssituation einigermaßen ähnlich wäre, dann hätte er natürlich auch seine Issues und würde sich in seine Arbeit stürzen und wirklich niemanden an sich heranlassen. Anspruchsvolle Literatur, Theater und Musik wären was für ihn und weil ich ihn mir nicht ohne vorstellen kann, würde er bestimmt irgendeinen Kampfsport ausüben … etwas Elegantes und Schnelles vermutlich.

Das war lang, sorry XD .

Ist dir ein Ereignis im Zusammenhang mit deinen Büchern besonders in Erinnerung geblieben?

Einige! So ein Herzensprojekt, das einen über so lange Zeit begleitet, ist mit vielen guten und schlechten Erinnerungen verknüpft. Ein besonderes Highlight ist definitiv noch immer meine erste echte Fanpost von einer ganz jungen Leserin, die das Buch so sehr geliebt hat, dass sie mir eine Postkarte geschickt hat! Sie hängt über meinem Schreibtisch und wenn es mir nicht so gut geht, schaue ich sie an und bin wieder motiviert *-*

Mit welcher Person, tot oder lebendig, würdest du gerne mal eine Partie Zerenit spielen und über Gott und die Welt plaudern? Und warum gerade mit dieser Person?

William Shakespeare oder Cornelia Funke. Shakespeare, weil ich gerne über sein Leben erfahren würde und die Lücken schließen, die sich die Wissenschaft noch über ihn aufweist. Außerdem würde ich gerne mit ihm über das Stück, das nicht genannt werden darf und Hamlet sprechen, denn ich hätte da ein paar Fragen XD. Cornelia Funke, weil ich sie einmal in einem Interview erlebt habe und ihre Bücher mein Denken, mein Schreiben und vor allem meine Kindheit geprägt haben, wie wenig anderes. Ich würde liebend gerne einfach etwas Zeit mit ihr verbringen und ganz viel lernen und so eine positive Person erleben.

Ich hoffe, wir werden zukünftig weitere Geschichten von dir lesen können. Hast du denn schon Pläne für weitere Veröffentlichungen, vielleicht ja im Universum von ‚Pyria‘?

Klaro! Aktuell arbeite ich ja an einem neuen Projekt, das ich unter dem Arbeitstitel Bärenkinder führe, da hab ich etwas griechische Mythologie, ein Industrialisierungssetting und Lübeck in einen Topf geworfen und beobachte, was passiert. Ansonsten sind aber auch schon Stimmen laut geworden, die sich eine Fortsetzung der Reihe wünschen und ich habe auch das Gefühl, dass ich nochmal nach Pyria zurückkehren werde. Ich könnte mir gut vorstellen, die Leben der verbliebenen Charaktere weiterzuerzählen, weil da ja auch noch einiges ansteht und es ist auch schon seit ein paar Jahren der Gedanke da, im Grund ein Spin-Off in der Götterwelt zu schreiben. Da kommt also noch einiges Zeugs auf uns zu 😉

Ich danke dir, dass du dich meinen Fragen gestellt hast! Nun wünsche ich dir eine schöne Releasezeit und wünsche dir alles, alles Gute für die Zukunft. Ich freu mich schon auf weitere Geschichten von dir.

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