Amy Erin Thyndal: A Melody of Salt and Tears (Legends of Askja 2)
(Werbung – Rezensionsexemplar)
Amy Erin Thyndal kehrt mit ‚A Melody of Salt and Tears‘ in die Welt zurück, die Leser*innen aus dem ersten Band der Reihe wohlbekannt ist. Und auch wenn die Ereignisse in Thyndals neuestem Buch nach denen des ersten Teils spielen, sind sie nicht notwendig, um die Handlung dieses Buchs zu verstehen. Beide Geschichten sind unabhängig voneinander erlebenswert.
Waren wir in ‚A Kiss of Ice and Blood‘ noch in den eisigen Gefilden von Askja unterwegs, schickt uns Thyndal dieses Mal in die Weiten des Meeres, wenn auch vor die Küste der Insel. Ich persönlich liebe Geschichten über Pirat*innen, Meereswesen und die Abenteuer auf hoher See, deshalb war klar, dass ich ‚A Melody of Salt and Tears‘ unbedingt lesen möchte.
Die Autorin wirft uns dann auch gleich zu Beginn sprichwörtlich ins kalte Wasser, als Sirenen ein Schiff angreifen, dass sich in die Gewässer vor Askja getraut hat. Schon hier wird klar, dass Menschen für Sirenen hauptsächlich Beute sind, notwendig, um sich am Leben zu erhalten. Ein nicht nur für Leser*innen moralischer Konflikt, stellen wir Menschen uns doch selbst über alle anderen Lebewesen – wie können wir da bloße Beute sein? Diese Ausgangssituation ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, nichtsdestotrotz hätte ich mir gewünscht, dass diese moralische Gratwanderung intensiver behandelt wird. Protagonistin Adelaide zum Beispiel verzichtet darauf, Energie aus menschlicher Quelle zu sich zu nehmen, was sie einerseits zu einer Besonderheit ihrer Schwesternschaft macht, sie aber andererseits auch nie Sympathien der Leser*innen verspielen lässt, weil sie sich von Menschen ernährt. Im Fortlauf der Handlung stellt sich nämlich heraus, dass Sirenen sich Menschen als Partner nehmen, sie lieben und Kinder mit ihnen haben. Das war mir wegen der von Natur aus gegebenen Beziehung von Jäger und Beute leider nicht konsequent genug, ich verstehe aber, dass dies für die Existenz der Geschichte essenziell war. Es ist einfach schwierig, eine Romanze glaubhaft zu erzählen, wenn der Love Interest laufend damit rechnen muss, von seiner Geliebten getötet und als Nahrungsquelle verwendet zu werden.
Dieser Umstand führt zu einem Punkt der Geschichte, der mir an sich super gut gefällt, aber meiner Sehnsucht nach Meereswesen nicht gerade entgegenkommt. Denn wie schaffts man es, dass eine weibliche Sirene mit Fischschwanz sich mit einem menschlichen Mann einlassen kann? Wir alle kennen wahrscheinlich Hans Christian Andersens Märchen ‚Die kleine Meerjungfrau‘ bzw. Disneys Version ‚Arielle‘ davon. Dort bekommt die Protagonistin menschliche Beine, um bei ihrem geliebten Prinzen bleiben zu können. Thyndal schafft dafür die Meeresstadt Veramann, die unter einer Kuppel existiert. Einer Kuppel mit für Menschen atembarer Luft, Infrastruktur, mit Tag und Nacht, mit einem Theater! Und sobald die Sirenen diesen Ort erreichen, verwandeln sie ihren Fischschwanz in menschliche Beine. Die Idee find ich grundsätzlich super, ich habe diese Stadt auch gerne erkundet. Aber ich wollte doch so gerne Meereswesen! Die bekomme ich natürlich auch weiterhin, aber die Geschichte findet zu weiten Teilen in der Kuppelstadt statt.
Dahingegen gefiel mir uneingeschränkt gut, dass es sich bei Veramann um ein Matriarchat handelt. Alle Sirenen, Marinas und Nixen sind weiblich, sie nehmen sich die Männer entweder als Beute oder als Geliebte. Und auch wenn sie sich nicht immer einig sind und auch menschliche Züge wie Eifersucht und Missgunst aufweisen, ist es doch eine Schwesternschaft, die zusammenhält und niemanden zwischen sich kommen lässt. Matriarchate gibt es in der Fantasy viel zu selten, schon alleine deswegen würde ich die Geschichte empfehlen. 3,5 Sterne.
Liebe ist die stärkste Waffe
Das Inselkönigreich Askja ist nun durch eine magische Barriere geschützt, doch der Frieden hat einen hohen Preis. Nur die Sirenen können den Schutzzauber durchqueren, weshalb Adelaide es als ihre Aufgabe ansieht, das verfeindete Kaiserreich Myredal zu überwachen. Nach dem Tod ihrer Königin stehen nicht alle Sirenen hinter dem Bündnis mit den Askjern: Der Sirenenrat fordert blutige Rache. Im verzweifelten Versuch, den drohenden Krieg abzuwenden, nimmt Adelaide den Admiral Marcus gefangen, um mehr über die Pläne Myredals zu erfahren. Dabei erfährt sie nicht nur, dass diese einen Weg gefunden haben, die Barriere zu durchqueren, sondern auch, dass selbst ein magiehassender Seemann wie er dem Zauber einer Sirene erliegen kann – und umgekehrt…
Erschienen bei Moon Notes
Band 2 einer Reihe
Autor*in: Amy Erin Thyndal
ET: 09.10.2025
Seiten: 368
ISBN: 978-3-96976-082-6
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