Tyler Whitesides: Das zerbrochene Reich des Ardor Benn
(Werbung – Rezensionsexemplar)
Zweite Bände haben es in schwer. Entweder man mochte den ersten Teil und hofft, dass es im zweiten so weitergeht. Oder man mochte den ersten Teil nicht und liest den zweiten erst gar nicht. Bei Ardor Benns zweitem Abenteuer hatte ich irgendwie erwartet, dass es so weitergeht wie im ersten. Tut es nicht. Und das ist okay. Mehr als okay. Denn hätte ich wirklich eine Kopie des Trilogieauftakts gewollt? Jein.
Denn tatsächlich habe ich den einen großen Heist in ‚Das zerbrochene Reich des Ardor Benn‘ gesprochen von Matthias Lühn, bis zum Schluss vermisst. Die kleinen und großen Finten, die Verkleidungen, die groß angelegte Täuschung. Dafür habe ich kleine und kleinere Finten, Verkleidungen und viele klein angelegte Täuschungen bekommen. Wiedersehen mit alten Bekannten. Ich mochte diesen zweiten Band, bis auf ein paar, ja, Kleinigkeiten. Ich habe mitgelitten, als sich zwei Figuren wiedertreffen, sich aber wegen des Einsatzes von Erinnerungsmalm nicht mehr an dieses Treffen erinnern. Ich mochte, dass Frauen die Fäden in diesem Mittelband gezogen haben. Ich mochte es noch mehr, dass sich die Figuren weiterentwickelt haben, offener miteinander umgehen. Und doch ist da diese Vermissung eines großen Coups. Vielleicht liegt es an der fehlenden Komplexität, eine, die mich jubeln lässt ob der Wendungen und Täuschungen.
Was sich aber wieder sehen lassen kann, ist das Worldbuilding, das noch detailreicher wird, noch greifbarer, manchmal aber auch ein bisschen wiederholend (vor allem was das Malm betrifft). Ebenso der Humor und die zwischenmenschlichen Dynamiken müssen sich nicht verstecken.
Das, was mir nicht so gefallen hat, war alles rund um die Geheimgesellschaft. So geheim, dass kaum einer davon wusste, obwohl das Aufnahmeritual ein öffentlichkeitswirksames Verbrechen sein muss. Das unbegrenzte Macht und Ressourcen hat. Und trotzdem geheim sein kann? Das war für mich nicht schlüssig und gefiel mir deshalb nicht.
Trotz ein paar Schwächen und Längen habe ich aber auch diesen zweiten Band wieder sehr gerne gehört. Matthias Lühn sei gedankt, er schafft es einfach, jeder Figur Charakter und Wiedererkennungswert zu verleihen. Ich denke, wenn ich die Geschichte gelesen hätte, wäre mein Fazit weniger positiv ausgefallen. Nun freue ich mich auf den Finalband, auch wenn ich meine Erwartungen ein bisschen zurückgeschraubt habe. Wenn auch nicht die Hoffnung auf DEN großen Coup, der mich mit seiner Komplexität ein bisschen herausfordert. 3,5 Sterne für Benns zweites Abenteuer!
Klappentext zum Reihenauftakt ‚Die tausend Leben des Ardor Benn‘:
Gentleman. Gauner. Legende. Ardor Benn ist kein gewöhnlicher Dieb. Er ist gerissen, ehrgeizig und ein Meister des komplexen Coups. Sich selbst bezeichnet er gerne als „außergewöhnlichen Gentleman-Gauner“. Als ein Priester ihn für den bislang riskantesten Job seiner Karriere anheuert, weiß Ardor nur zu gut, dass er dafür mehr als Schlagfertigkeit und Taschenspielertricks benötigt. Er stellt daher eine illustre Truppe aus Fälschern, Täuschern, Intriganten und Dieben zusammen und macht sich daran, den mächtigsten König zu bestehlen, den das Reich je gesehen hat. Doch schon bald wird klar, dass hier mehr auf dem Spiel steht als Ruhm und Ehre – Ardor und seine Leute könnten die letzte Hoffnung der gesamten Menschheit sein.
Erschienen im Ronin Hörverlag
Band 2 von 3
Autor*in: Tyler Whitesides
Gesprochen von Matthias Lühn
ET: 24.04.2026
Dauer: 28 Stunden 6 Minuten
ISBN: 978-3-98955-623-2
Eine Bestellmöglichkeit und eine Hörprobe gibt’s hier
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