Rezensionen

Artur Dziuk – Das Ting

(Werbung – Rezensionsexemplar)

Manchmal lohnt es sich, die gewohnten (Lese-)pfade zu verlassen und Bücher zu lesen, die vielleicht nicht automatisch auf der Wunschliste landen. ‚Das Ting‘ von Artur Dziuk ist so ein Buch. Durch viele positive Meinungen und einem ungemein interessanten Klappentext hat es meine Aufmerksamkeit geweckt und ich durfte es im Rahmen einer Leserunde auf lovelybooks.de lesen. Vielen Dank dafür!

Der Einstieg in das Buch gelang mir nur holprig. Das lag keineswegs am Schreibstil, der ist nämlich flüssig und einnehmend. Nein, ich hatte einen anderen Beginn erwartet. Die Entwicklung des Tools. Doch der Autor hat einen anderen Weg gewählt, der im Nachhinein perfekt ist.
Das Buch ist in drei Teile aufgegliedert und jeder Teil enthält dabei jeweils ein Kapitel geschrieben aus der Sicht der vier Gründer. Der Autor hat den personalen Erzählstil gewählt, das passt hier gut und schafft eine gewisse Distanz. Nun wird aber nicht immer wieder dieselbe Geschichte aus der jeweiligen Sicht der vier Personen geschrieben sondern schreitet linear voran. Das fand ich super gelöst und der Autor schafft es so, dass die Szenen aus der Sicht der Person geschrieben werden, die genau hier die wichtigste und interessanteste ist. Über die vier Personen möchte ich gar nichts verraten, denn auch der Klappentext verschweigt, um wen es sich handelt. Das soll der Leser selbst herausfinden.

Worauf ich allerdings näher eingehen möchte ist das namensgebende Tool, das Ting. Ich hatte kurzzeitig die Angst, dass sich das Buch in weit ausschweifenden Technik-Blabla verliert, doch der Autor hat hier bewusst Lücken gelassen. Ein technikaffiner Leser, der alles genau hinterfragt, wird allerdings enttäuscht sein. Es funktioniert in der Geschichte, das ‚Wie‘ ist irrelevant. Die grobe Funktionsweise ist jedenfalls, dass das Ting mittels Sensoren deine Körperdaten analysiert und aufgrund dessen Handlungsempfehlungen für dich ableitet. Eine gruselige Vorstellung, die mich des Öfteren fragen ließ, ob ich das Ting verwenden wollen würde. Ich habe bisher noch keine Antwort gefunden, auch wenn ich im ersten Augenblick: Nein, nie! gedacht habe. Die Vorteile lägen auf der Hand: bessere Ernährung, bewussterer Umgang mit sich selbst, weitreichende Entscheidungen mit fundierterer Kenntnis der Sachlage treffen. Doch ist es das wert? Macht man sich möglicherweise abhängig von einem Tool, das keinerlei Gefühle kennt? Das nur rational entscheidet, weil es Daten analysiert hat? Aber wenn es dich zu einem besseren Menschen machen könnte, zu einem glücklicheren Menschen? Und was ist, wenn das Ting einen anderen Weg für dich einschlägt, als du nehmen möchtest? Stundenlange Diskussionen in moralischer, ethischer und religiöser Hinsicht sind garantiert!

Die Besonderheit bei den vier Protagonisten im Buch war, dass sie sich verpflichtet haben, jeder Empfehlung des Ting zu folgen. Das gibt natürlich eine spannenden Ausgangssituation und Potential für Konflikte. Denn vielleicht hat ja alles einen höheren Sinn, vielleicht sollten dich alle Empfehlungen auf diese eine Situation vorbereiten, die, die dein Leben verändern wird?
Nein, dieses Buch ist kein Buch über Technik, es ist ein Buch über vier Menschen, die den Weg in ihrem Leben suchen. Die sich fragen, ob sie „fertig“ sind, ob ihr Leben nun endlich beginnen kann. Die vor Entscheidungen gestellt werden, die sie lieber nicht treffen wollen. Die zwischen Familie und Karriere wählen müssen, Menschen enttäuschen, verletzen und verraten müssen. Die sind wie du und ich, mit dem Unterschied, dass sie eine Entscheidungshilfe haben. Ob das nun gut ist oder schlecht? Das muss jeder selbst herausfinden. 5 Sterne.

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