Rezensionen

Jay Kristoff: Nevernight – Das Spiel

Ich weiß gar nicht, wie ich meiner Begeisterung Ausdruck verleihen soll. Dieses Buch hat mich zerstört. Was zur Hölle ist da bitte passiert? Ich kann es nicht fassen! Aber schön der Reihe nach..

Selten habe ich einer Reihenfortsetzung so entgegengefiebert wie dem zweiten Teil der Nevernight-Reihe, in dem uns Jay Kristoff erneut an der Geschichte von Mia Corvere teilhaben lässt. Für alle, die den Überblick über alle handelnden Personen verloren haben, hat der Autor zu Beginn des zweiten Teils ein Personenverzeichnis eingefügt und erläutert dort noch einmal kurz, was mit dem jeweiligen Charakter in Teil 1 passiert ist. Des Weiteren ist wieder eine Karte von Itreya im hinteren Umschlag, im vorderen ein Bild von Krähenruh. Ich mag Karten, helfen sie doch bei der Orientierung und geben eine kleine Hilfe bei der Vorstellung der Welt, in dem die jeweilige Geschichte spielt.

Kristoffs Schreibstil ist auch im zweiten Teil dreckig, vulgär und brutal, aber auch unglaublich sarkastisch, ironisch und teilweise fast schon humoristisch. Vor allem die permanente Verwendung von Schimpfwörtern, Flüchen und Kraftausdrücken muss man schon mögen und ist definitiv nichts für Leser schöner Worte – obwohl der Stil abgesehen von der Wortwahl durchaus bildhaft ist. Fußnoten werden im zweiten Teil weitaus weniger als im ersten Teil verwendet, der Lesefluss wird also zweifellos nicht so oft unterbrochen wie im Reihenauftakt. Wobei ich hierbei anmerken will, dass in den Fußnoten der Leser oft auch direkt angesprochen wird – und das macht wirklich Spaß. 

Das Buch beginnt in Teil 1 auf zwei Zeitebenen, wobei die Vergangenheit von vor 4 Monaten in kursiver Schrift dargestellt wird. Das gefällt mir gut, weiß man doch gleich, wo man sich zeitlich gesehen befindet. Der Autor verstrickt geschickt die Vorgänge bis hin zur Gegenwart, wo wir uns ab Teil 2 des Buches befinden.

Mia ist dabei auf Rachefeldzug, blutig und ohne Rücksicht auf Verluste. Voller Sarkasmus und Ironie, vulgärer Ausdrücke und Flüche, ist sie eine herrlich unangepasste Protagonistin – derb, klug und todbringend. Mir gefällt ihre Entwicklung sehr gut, selbst von ihren Mordplänen getrieben bewahrt sie in der richtigen Situation meist einen kühlen Kopf und hält sich an den Plan, um ihre Rache zu bekommen (dieser von ihr entworfene Plan ist übrigens ausgesprochen überwältigend, gefährlich, fehleranfällig und unglaublich gut). Man merkt jedoch auch, dass ihr sogar andere Menschen, sogenannte Freunde, am Herzen liegen. Zwar nicht viele und auch nicht permanent, aber immerhin. Ja, selten hat mich ein Badass-Charakter so von sich überzeugt. 

Während der Durchführung ihres Plans lernen wir Mias Heimat Itreya noch besser kennen. Das Mittelaltersetting ist wieder gut gelungen und Kristoff bedient sich in diesem Teil der Reihe zusätzlich am alten Rom: Er lässt Spiele in Arenen stattfinden, mit Gladiatii, die sich in wechselnden Kampfszenarien, allein zur Belustigung der Oberschicht, umbringen. Diese Darstellungen sind blutig und unglaublich ideenreich in Bezug auf die Arten, wie man Menschen sterben lassen kann – sehr brutal und ekelerregend. Abschreckend sind auch die Einblicke in das Leben der Sklaven der Republik, die wirklich ein gräßliches Leben führen, abhängig von der Gunst und Willkür ihres Herrn. Ich weiß nicht, wie realistisch diese Darstellungen sind, aber man mag sich trotzdem kaum vorstellen, dass heutzutage immer noch Millionen Menschen in sklavenähnlichen Verhältnissen leben. Und gerade in so einer unmenschlichen Situation zeigt sich Mia von ihrer menschlichen und verletzlichen Seite – und vergisst aber nie ihr Ziel, ihre Eltern zu rächen.
 
Fazit: Neue Verbündete, alte Feinde, neue Liebe, alte Ziele – Jay Kristoff schickt den Leser auf eine Achterbahnfahrt, voller Irrwege und Kehrtwendungen. Vor allem das Finale des Buches ist schier explodiert vor Überraschungen und Geheimnissen, die mich fix und fertig und mit offenem Mund zurück lassen, mit einer einzigen Frage: what the fuck?!

Klappentext

Die epische Rachegeschichte geht weiter. Nachdem Mia einen der Männer umgebracht hat, die für die Zerstörung ihrer Familie verantwortlich sind, bleiben noch zwei über: Kardinal Duomo und Konsul Scaeva. Beide sind jedoch vor der Öffentlichkeit abgeschirmt und für Mia unerreichbar. Schlimmer noch: Die Rote Kirche selbst scheint Scaeva zu schützen …

Um an ihn heranzukommen, geht Mia ein großes Risiko ein: Sie kehrt der Kirche den Rücken und begibt sich selbst in die Sklaverei, um als Gladiatorin an den Großen Spielen in Gottesgrab teilzunehmen. Mia merkt schnell, dass sie diesmal zu weit gegangen ist, denn auf dem blutigen Sand der Arena gibt es keine Gnade und nur eine Regel: Ruhm und Ehre – oder Tod.

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Bibliographie

Fischer TOR
Übersetzt von Kirsten Borchardt
Band 2 von 3
ET 25.04.2018
Hardcover 22,99 €, eBook 3,99 €
704 Seiten
ISBN: 978-3-596-29759-7
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