Rezensionen

P.J. Lehmann: Wiederkehr der Götter – Der Schatten des Todes

(Werbung – Rezensionsexemplar)

Mit dem Reihenauftakt ‚Wiederkehr der Götter – Der Schatten des Todes‘ hat das Autorenduo P.J. Lehmann eine eindrucksvolle Welt geschaffen, die mit ganz viel Liebe zum Detail aufwartet. Die Geschichte selbst konnte mich stellenweise jedoch nicht mitreißen und zum Schluss hin war sie mir persönlich viel zu brutal. Alles in allem ist das Debüt mit einigen Abstrichen aber durchaus gelungen.

Der Schreibstil P.J. Lehmanns ist dabei flüssig und einnehmend, auch wenn mir manche Formulieren und Sätze irgendwie zu umständlich vorkamen. Ich kann es nicht genau festmachen, aber das Gefühl hatte ich hier und da. Doch das mag dem mittelalterlichen Setting und einer damit einhergehenden „gestelzten“ Ausdrucksweise geschuldet sein und hat nur in meinen Augen etwas unrund gewirkt.
Ungewöhnlich fand ich hingegen die Länge der Kapitel. Die gut 600 Seiten des Buchs wurden auf sieben sehr lange Kapitel aufgeteilt. Das war ok, ich habe aber gemerkt, dass mir kürzere Kapitel lieber sind als solche, die 100 Seiten umfassen.

Der Weltenaufbau ist dem Autorenduo besonders gut gelungen. Detailliert und mit einer eigenen Geschichte versehen kann man richtig darin versinken. Es wurden sich viele Gedanken zu den Gegenden Mittlands gemacht, wie bspw. die Bewohner im Süden oder im Norden charakterisiert werden können, was sie ausmacht. Auf eine Karte wurde zumindest im eBook verzichtet, vielleicht ist diese ja Teil des Taschenbuchs. Manchmal hätte ich mir doch eine Karte gewünscht, einfach um die Dimensionen des Landes besser abschätzen zu können und weil die vielen Reiche so greifbarer geworden wären. Für mehr Infos zum Weltenaufbau haben die Autoren eine eigene Seite auf ihrer Homepage eingerichtet, auf der man vor allem die Strukturen des ‚Ordens von Caldera‘ nachlesen kann.

Die Charaktere sind sehr vielschichtig, interessant und authentisch dargestellt.
Iouna ist zwar eine Prinzessin, aber da sie seit sieben Jahren auf der Flucht vor ihrem Verlobten ist, ist sie untergetaucht und lebt von Diebstählen und der Hand in den Mund. Auch wenn sie sich mehr schlecht als recht damit arrangiert hat, zu stehlen und anderen Menschen dadurch zu schaden, hat sie Angst, wieder zu ihren Eltern zurückzukehren. Sie kann einfach nicht abschätzen, wie sie nach den Jahren, die sie schon weg ist, reagieren und ob sie sie gar sofort wieder ihrem Verlobten übergeben würden. Ein unbedachter Griff zu einem Gegenstand, der ihr nicht gehört, bringt sie in eine Situation, die ihr Schattendasein auffliegen lässt.
Iouna ist fürsorglich, verantwortungsbewusst und steht zu ihrer Meinung. Auch wenn sie mir manchmal zu naiv und vertrauensselig wirkt, dafür dass sie sieben Jahre praktisch auf der Straße gelebt hat, mochte ich sie und habe die Abschnitte aus ihrer Sichtweise am liebsten gelesen.

Halvar hat mich zu Beginn des Buchs von seiner Art her an Geralt von Riva erinnert, so wie er in der Serie ‚The Witcher‘ dargestellt wird. Wortkarg, brummelig und doch auf seine Art witzig. Und auch wenn Halvars Aussehen ganz anders ist als das von Henry Cavill in der Serie, hatte ich die ersten Seiten immer sein Bild vor Auge.
Halvar verdient seinen Lebensunterhalt als Kopfgeldjäger und ist als solcher auf Iouna angesetzt worden. Doch wie es das Schicksal will (oder die Götter), kommt es ganz anders als er denkt. Er ist anfangs sehr geheimnisvoll dargestellt, denn er verbirgt durchaus mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Denn seinen Job übt er eher aus der Not heraus aus, als dass er von seiner Menschenjagd überzeugt wäre. Er musste in seinem Leben schon viel erleiden, umso mehr war ich von seinem ruhigen und sehr sanften Wesen beeindruckt.

Es wird sich Zeit genommen, die Charaktere aufzubauen und auch die Beziehung zwischen Iouna und Halvar. Doch dieser Aufbau der Freundschaft zwischen den beiden Hauptcharakteren war es auch, der mir mitunter ein bißchen zu langwierig war. Grundsätzlich mag ich es zwar gerne, wenn einer Beziehung Raum gegeben wird um sie reifen zu lassen, hier dagegen war es mir stellenweise zu viel, ohne dass es die Handlung nennenswert vorangetrieben hätte. Dies hielt jedoch meist nicht lange an und ich war grundsätzlich sehr gefesselt von der Handlung. Vor allem als es auf das Ende hinsteuerte sorgten einige Überraschungen für Abwechslung und spannende Abschnitte.
Bis kurz vor dem Ende viel für mich verdorben wurde. Denn die Geschichte ist bisher sehr ruhig erzählt worden, ohne viele Kämpfe oder Brutalität, dafür mit umso mehr Augenmerk auf die Charaktere, die Welt und den Beziehungen der Handelnden untereinander. Und dann wird es kurz vor dem Ende des Buchs so unglaublich brutal, so wie ich es nicht für möglich gehalten hätte, nachdem ich das ganze Buch schon hinter mir hatte. Für mich war diese Brutalität völlig überflüssig, unnötig in die Länge gezogen und hat mir tatsächlich größtenteils das Vergnügen an der Geschichte verdorben und den Charakter in Frage stellen lassen.

3 Sterne für eine vielversprechende Story mit interessanten Charakteren und einem tollen Weltenaufbau, die zwar hier und da ihre Längen hat, aber durchaus gelungen ist. Wäre da der Schluss nicht gewesen, der mir durch seine für mich überflüssige Brutalität vieles verdorben hat.

Klappentext

Herbeigesehnt von Göttern sollen zwei Menschen durch Blut vereinen, was durch Blut getrennt wurde. Ein mitreißender Fantasyroman für alle, die lebendige Welten, tiefe Gefühle und erbitterte Machtkämpfe lieben

»Dann hört auf, Euch aufzugeben!« – »Und was soll ich Eurer Meinung nach tun? Einfach gehen?« – »Ihr könntet mit mir kommen.«

Halvar, ein Kopfgeldjäger fern seiner Heimat, erhält den Auftrag, eine junge Frau zu finden. Dass es sich dabei um Iouna handelt, die verschwundene Prinzessin der Nordleute, stellt ihn vor weitaus mehr Probleme als eine uralte Fehde zwischen ihren Völkern. Doch auch Iouna erkennt, dass der wortkarge Mann mehr ist als er zu sein scheint.
Beide suchen ihren Platz in der Welt, ohne zu ahnen, dass sie dabei von ihren Göttern beobachtet werden.

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Bibliographie

Piper Wundervoll
Band 1 von mind. 2
ET: 06.07.2020
Taschenbuch 23,00 €, eBook 6,99 €
566 Seiten
ISBN: 978-3-492-50347-1
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