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Interview mit Autorin Christina Hiemer

Am 18.03.2021 erscheint Christina Hiemers dritter Fantasyroman ‚The Second Princess. Vulkanherz‘ im Carlsen Verlag. Ich habe ihr vorab ein paar Fragen zur Geschichte, zu den Charakteren und zu ihr gestellt. Viel Spaß beim Lesen!

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Morgen erscheint dein Buch ‚The Second Princess. Vulkanherz‘. Schauplatz ist eine Karibikinsel und mein Herz für außergewöhnliche Settings schlägt sofort höher. Wieso gerade St. Lucien? Gibt es ein reales Vorbild, das du aus eigener Erfahrung (z.B. Urlaub) kennst?
Leider war ich selbst noch nie in der Karibik, möchte dies aber unbedingt bald mal nachholen.
Inspiration für St. Lucien war St. Lucia bzw. Sankt Lucia. Die Insel ist sehr klein und hat weniger als 200.000 Einwohner, bot aber durch ihre Lage eine gute Vorlage für meine fiktive Insel. Ich wollte unbedingt einen Schauplatz wählen, den es noch nicht so oft in Büchern gab. Auf St. Lucien gibt es Palmen, Dschungel, kleinere Städte und natürlich den mächtigen Vulkan. Königliche Fantasygeschichten spielen ja meist in westlich orientierten Schauplätzen, weshalb ich mich unbedingt einmal nach etwas frischem Wind gesehnt habe. Und das tropische Sommerfeeling kann man jetzt im März ja wirklich gut gebrauchen.

Ich fand es sehr überraschend, dass die fiktive Insel ein Teil unserer Welt ist. Ich habe ehrlich gesagt ein Mittelaltersetting oder Ähnliches in diese Richtung erwartet. Worin liegt der Reiz, es in unserer jetzigen Zeit spielen zu lassen?
Auch hier wollte ich mich bewusst von den gängigen Geschichten abheben und es einfach mal anders machen. Meist lastet Prinzessinnengeschichten dieses „schwere“ High-Fantasy-Setting an, aber ich mag die Mischung aus neuen und alten Motiven – auch als Leserin. Deshalb habe ich mich gefragt, wie es wäre, in der aktuellen Welt eine Prinzessin zu sein? Selbstbestimmung wäre klasse, endlich selbst ein Land regieren können, auch ohne Mann/König/Prinz an der Seite. Und dann habe ich das Ganze immer weitergesponnen und fand es selbst sehr spannend! Und ganz unter uns: Als ob es nicht super cool wäre als Prinzessin Sportwagen zu fahren statt in einem unbequemen Damensattel zu sitzen, während man an einer Jagdgesellschaft teilnimmt. 😊

Du hast ja eine sehr feministische Dynastie geschaffen. Welche Botschaft möchtest du damit vermitteln? Sind Frauen vielleicht die besseren Regenten?
Die traurige Antwort auf diese Frage ist: Wir wissen es eigentlich nicht. Denn auch wenn es in der Vergangenheit Dynastien gab, die wie die „Bells“ von weiblichen Regentinnen geführt wurden, erfährt man von diesen Frauen nur, wenn man explizit nach ihnen sucht. Frauen sind immer nur schmückendes Beiwerk gewesen und wenn sie tatsächlich einmal einen Thron bestiegen, dann urteilte man hart über sie, strafte sie ab und nahm sie nicht ernst. Dieses Bild hält sich gerade im Bereich der „royalen Fantasie“ hartnäckig und das überrascht mich, denn wir haben seit Jahren eine regierende Bundeskanzlerin an der Spitze unseres Landes.
Ich würde mich selbst nicht als Feministin beschreiben, aber mir war wichtig zu zeigen, dass es eigentlich völlig normal sein sollte, dass die Prinzessinnen NICHT immer auf irgendwelchen Bällen herumtanzen müssen, um die ach so sexy Prinzen zu bezirzen, die sie dann letztlich heiraten.
Wir jungen, unabhängigen, starken Frauen im Jahre 2021 heiraten ja auch vorrangig aus Liebe (Ausnahmen gibt es natürlich auch hier), aber in der Jugendfantasy ist diese Form der Zwangsheirat völlig gefestigt und niemand echauffiert sich darüber. Ich hasse es regelrecht, wenn ich bereits auf dem Klappentext lesen muss, dass da wieder irgendwelche jungen, bildhübschen Mädchen einen Prinzen umgarnen müssen, um ihr Königreich zu retten.
Geht das nicht auch anders? Was für ein Bild vermitteln wir den Leser*innen, die meist 14+ Jahre alt sind, und wollen wir so ein Bild überhaupt (noch) vermitteln? Als Jugendbuchautoren haben wir eine gewisse Verantwortung und ich gebe zu, das war mir anfangs nicht bewusst. Doch als es mir dann bewusst wurde, wollte ich diese Verantwortung dazu nutzen, genau solche Strukturen zu hinterfragen, ohne gleich eine große Gleichberechtigungskeule zu schwingen. Die Tatsache, dass diese Details auffallen, zeigt mir aber auch, dass die Leser*innen diese Veränderungen wahrnehmen, sie bisher überwiegend positiv aufnehmen und sich freuen, dass es auch anders geht.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei Prinzessinnen. Mit welcher der drei Schwestern fühlst du dich am meisten verbunden/würdest du am liebsten deine Zeit verbringen, z.B. beim Zocken?
Das ist schwierig, denn ich glaube in jeder von ihnen steckt irgendwo auch ein (kleiner) Teil von mir selbst, weshalb es also zu allen drei Schwestern irgendwie Bezugspunkte gibt. Ich denke aber am ehesten verbunden fühle ich mich mit Maylin, weil ich ihren Mut bewundere und ihre Offenheit der Welt gegenüber. Sie steht für die Schwächeren ein, hinterfragt ihr Leben und gibt sich nicht mit weniger zufrieden, wenn sie mehr haben könnte. Ich mag ihre Schlagfertigkeit und auch beim Beenden des Buches habe ich festgestellt, dass ich zu ihr gern noch vieeel mehr erzählen würde. Außerdem glaube ich, dass man mit ihr echt ne Menge Spaß haben könnte, denn sie ist der Typ Mensch, der eine Party unvergesslich machen würde. Hat nicht jeder so eine leicht verrückte, mutige Freundin, die einen mitreißt und deren Begeisterung auf einen überspringt?
Saphina hingegen ist gerade am Anfang noch recht ruhig und unsicher. Ich wette, sie wäre heillos überfordert, würde man ihr einen PS4 Controller in die Hände drücken. Aber Maylin würde direkt loslegen, egal ob sie sich vielleicht blamiert oder nicht 😉 Und Livia, uff – jetzt gerade (ein paar Tage vor dem Release!) bin ich ein genau so großes Nervenbündel wie sie 😄

Wer dir auf Instagram folgt, wird schon öfters deinen Hund Merlin gesehen haben. Was denkst du, welche Haustiere würden am besten zu Livia, Maylin und Saphina passen?
Nach Mentira hatte ich mir eigentlich geschworen, dass in der nächsten Geschichte unbedingt ein tierischer Sidekick dabei sein muss… Und dann hab ich es eiskalt vergessen 😄
Sowas passiert auch nur mir!
Saphina hätte in jedem Fall eine Katze, einfach weil so ein kleines, putziges Fellknäuel richtig gut zu ihr passen würde. Maylin könnte ich mir ehrlich gesagt richtig gut mit einem Weimaraner vorstellen 😉 Livia hätte vielleicht einen Goldfisch, der aber vermutlich nie lange überleben würde, weil sie ständig vergessen würde, das arme Kerlchen zu füttern, deshalb wäre ich in jedem Fall dafür, dass Livia kein Haustier bekommt!

Wie würde denn ein Date mit dem Bösewicht deiner Geschichte aussehen?
Ohne zu viel zu verraten, würde ich sagen, es würde ganz schön heiß werden.
Also heiß im Sinne von warm, denn mein Bösewicht lebt ja an einem ziemlich heißen und recht gefährlichen Ort. Da er ein zieeeeemlicher Charmeur ist, wette ich, er würde ein Date organisieren, dass man nie, auch nicht einer Million Jahren vergisst, denn er hat echt Talent dafür, außergewöhnlich zu sein. Und frech. Und vorlaut. Und nervig. Aber auch verdammt unwiderstehlich… Seufz. Jetzt will ich ein Date mit ihm, na toll!

Welchen Dante magst du lieber: deinen oder Stephanie Garbers aus ‚Caraval‘? Und warum? 
Das ist wohl die fieseste Frage, die man mir jemals gestellt hat!
Die Caraval-Reihe ist mein Non-Plus-Ultra an Romantasy! Ich liebe liebe liebe ALLES an diesen Büchern, aber mein Herz gehört da tatsächlich eher Legend als Dante. Deshalb würde ich mich tatsächlich für meinen Dante de Lacey entscheiden. Vielleicht gibt er mir ja ein bisschen Nachhilfe beim Kämpfen, ich hab gehört, er ist ein vorzüglicher Lehrer… 😉

Du hättest dein Buch ja auf der Leipziger Buchmesse präsentiert. Wie findet der Release denn jetzt unter diesen Bedingungen statt? Mit Aktionen auf Instagram?
Ich würde gern so tun, als wäre der Ausfall der Messe halb so wild. Aber wenn ich ehrlich sein soll, bin ich immer noch super traurig. Die derzeitigen Umstände machen eine so große Messe unmöglich und irgendwie kam die Absage für niemanden wirklich überraschend, aber der Gedanke sein eigenes Buch an dem gigantisch-großen, mega Carlsenstand zu sehen – JA, das hätte ich verdammt gern genossen. Denn dieses Buch war echt eine Herausforderung und dieser Anblick hätte mich sehr glücklich gemacht. Aber das ändert natürlich nichts daran, dass ich mich aufs Release freue! Am Releaseday wird es wieder ein Magic-Box-Gewinnspiel geben, bei dem man nicht nur meine Neuerscheinung, sondern insgesamt vier (!) Frühjahrsspitzentitel gewinnen kann. Über den Tag verteilt, wird es Storys und Postings zum Release geben und wenn mein inneres Angsthäschen sich überwindet, dann gibt es abends auch eine Livelesung per Instagram und einen kleinen Booktalk für alle die Lust haben. Am 20.03. wird es dann vom Verlag aus eine PARTY geben – denn um 19 Uhr findet auf dem Instagram-Kanal ein Livestream statt, den eine ganz bezaubernde Bloggerin gemeinsam mit mir veranstalten wird! Also quasi ein Doppelgeburtstag! Und jede/r Zuschauer/in ist eingeladen, ein Krönchen aufzusetzen – denn wir feiern ja immerhin einen royalen Bookbirthday, da sind Kronen quasi Pflicht!

Mich interessieren aber nicht nur Infos über dein Buch, sondern auch über dich. Darum die ultimative Frage: Warum schreibst du?
Die wohl ehrlichste und direkteste Antwort wäre wohl:
Weil ich nicht (mehr) damit aufhören kann. Aber dann würde ich unweigerlich ein weiteres „Warum“ anschließen. Ich denke, es ist einfach ein inneres Bedürfnis, über Dinge zu schreiben, die ich für erzählenswert halte. Für mich persönlich ist es bei jeder meiner Geschichten wichtig etwas zu erzählen, das mich beschäftigt, interessiert oder emotional berührt. In dieser Geschichte war es eben die Tatsache, dass ich eine Prinzessinnengeschichte schreiben wollte, die ohne veraltete Denkstrukturen aus der Vergangenheit auskommt. Unabhängigkeit, Mut und freier Wille sind für mich sehr wichtige Rechte, die für viele Frauen auf der Welt immer noch nicht selbstverständlich, sondern ein Privileg sind. Und das macht mich traurig und wütend zugleich. Ich möchte Geschichte schreiben, die Botschaften senden, leise und laute, versteckte und offensichtliche. Und ich hoffe sehr, dass es mir mit diesem und künftigen Büchern gelingt genau das zu tun.

Du studierst ja und schreibst nebenher. Darum würde ich gerne wissen wollen, die du arbeitest und wie du deinen Alltag organisierst.
Ich bin ehrlich gesagt erstaunlich unorganisiert. Zuerst kommt natürlich die Uni, aber immer wenn ich dort alles erledigt habe, setze (oder lege) ich mich hin und tippe 😊
Meistens abends oder am Wochenende. Seit dem Lockdown verbringe ich ja so gut wie jeden Tag zuhause, weshalb es eigentlich nicht schwer ist, Zeit zum Schreiben zu finden. Es ist aber durchaus hin und wieder problematisch die Motivation zum Schreiben zu finden. Ich habe einige Wochen/Monate kaum bis gar nicht geschrieben. Aber seit knapp zwei Wochen sind meine Inspiration und Motivation wieder zurück. Kreativität lässt sich in meinen Augen nicht planen – zumindest nicht für mich. Also versuche ich es erst gar nicht, sondern schreibe dann, wenn es sich richtig anfühlt und ich Zeit dazu habe. Von festen Schreibzeiten halte ich persönlich nicht viel.

Und zum Schluss: Was ist dir an deinem Buch besonders wichtig? Warum sollten die LeserInnen deine Geschichte lesen?
Leser*innen sollten diese Geschichte lesen, weil sie in all ihrer Fiktion etwas Reales vermittelt, was man nicht oft genug wiederholen kann: Wir Frauen sind mehr als nur schön anzusehen, wir sind die Heldinnen unserer eigenen Geschichten! Diese Geschichte ist witzig, spannend, emotional und unvorhersehbar – aber sie hat auch eine wichtige Botschaft, wenn man bereit ist, diese zu erkennen. Deshalb wünsche ich mir, dass so viele Leser*innen wie möglich diese entdecken und sie als etwas Positives wahrnehmen. Männer und Frauen sind gleich und weil das so ist, verdienen Prinzessinnen in Fantasybüchern im Jahr 2021 das Recht, selbst entscheiden zu können, wen sie heiraten und wen nicht (und ob überhaupt!)

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Ihr findet Christina und ganz viele Infos zu ihren Büchern auf Instagram unter @storytellerchristina und auf Facebook

**Die dunkle Seite der Krone**
Auf der Vulkaninsel St. Lucien herrscht die mächtige Dynastie der Bell-Frauen. Seit Jahrhunderten wird die Krone an die älteste Prinzessin weitergegeben. Doch hinter der glamourösen Fassade der Königsfamilie lauern düstere Geheimnisse, die nur die zweitälteste Prinzessin zu hüten weiß. Saphina war immer die jüngste und damit unbedeutendste von drei Schwestern. Nun rückt sie durch unerwartete Ereignisse in der königlichen Thronfolge auf und tritt vollkommen unvorbereitet ein dunkles Erbe an. Und ausgerechnet Dante, der undurchschaubare Adelssohn, soll ihr dabei helfen …

Erscheint am 18.03.2021 bei Carlsen, 416 Seiten.
Paperback 15,00 €, eBook 4,99 €. Ab 14 Jahren.
ISBN 978-3-551-58442-7
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Christina Hiemer

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