Rezensionen

Jennifer Benkau: Es war einmal Aleppo

‚Es war einmal Aleppo‘ von Jennifer Benkau ist ein Buch, über das man reden sollte. Oft und immer wieder. Mit so vielen Leuten wie möglich. Denn die Geschichte ist Alltag in Deutschland. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Demonstrationen gegen Asylunterkünfte. Hass gegen Menschen, die so sind wie du und ich. Mit dem einzigen kleinen Unterschied, dass sie nicht hier geboren sind. Sondern z. B in Aleppo, in Syrien. Einem Land, das vom Krieg geprägt ist, von gewalttätigen Auseinandersetzungen verschiedener Gruppierungen, so unübersichtlich, das man sich damit intensiver auseinandersetzen muss, als der kurze Einblick im Laufe der Geschichte es ermöglicht, um die Zusammenhänge zu verstehen. Und selbst dann bezweifle ich, dass man alles überblicken und beurteilen kann. Aber das Ergebnis ist klar: Das ist keine Umgebung, in der man leben kann und möchte. Wer will es den Geflüchteten verdenken, dass sie ihr Land verlassen haben? Ihre Stadt, die zerbombt ist, ihre Familie, da der Weg nach Europa für alle zusammen einfach zu gefährlich ist?

Ich habe während des Lesens so viel gelernt, denn Sharvin erzählt nicht nur Toni von seinem Schicksal, sondern auch mir. Er schildert seinen Alltag in Aleppo, als es dort noch lebenswert war. Freunde treffen, im Café entspannen, die Stadt erkunden. Kommt dir bekannt vor? Und dann der Umschwung. Die immer lauernde Gefahr, das Leid, der Tod und der einzige Ausweg fort, in Sicherheit, vielleicht nach Europa? Ein grausamer und  gefährlicher Weg.

Als ich die Geschichte begonnen habe, dachte ich, sie hätte genauso gut in meinem Heimatort spielen können. Dieselben Reaktionen gab es hier auch.
„Flüchtlinge aufnehmen? Gerne. Aber nicht hier.“
„Die Gefahr für unsere Frauen ist zu groß.“
„Ich kann mein Kind nicht jetzt nicht mehr allein auf die Straße lassen.“
„Die klauen doch bloß.“
„Das sind alles Terroristen…“
Ich denke, das kennst du.
Gerade diese Identifikation mit der Situation hat mich so mitgenommen. Denn was habe ich getan, damit diese Vorurteile verschwinden? Ich habe anfangs versucht, aufzuklären. Doch ich bin schnell gescheitert, da ich mich auch nicht wirklich auskenne und die Lage in Syrien immer noch so unübersichtlich finde. Und dann dachte ich mir: Muss man Menschen mit Argumenten kommen, dass sie andere Menschen nicht pauschal verurteilen und nur das Schlechteste von ihnen denken? Nein. Denn ich finde, das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Menschlichkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind die Attribute, die nicht nur in Zeiten der Not ganz groß geschrieben werden sollten. 5 Sterne.

Klappentext

Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Antonia kommt mit ihrer Familie aus dem Urlaub, und plötzlich leben mehrere hundert Flüchtlinge nebenan.
Klar – irgendwo müssen sie unterkommen. Aber ausgerechnet hier?
Doch dann trifft Toni auf Shirvan. Und mit jeder skeptischen Frage, die sie ihm stellt, wird die Sache verzwickter.

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Bibliographie

Ink Rebels
Einzelband
ET: 10.12.2016
Taschenbuch 14,90 €, eBook 3,99 €
510 Seiten
Ab 12 Jahren
ISBN: 978-3958692770
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