Rezensionen

N.K. Jemisin: Die Wächterinnen von New York

Wenn eine Autorin für unglaubliche Ideen, Diversität, Gesellschaftskritik und unverwechselbare Charaktere steht, dann ist es N.K. Jemisin. In den vier Büchern, die ich jetzt von ihr gelesen habe, hat sie mir gezeigt, wie gut Fantasy mit realen Themen funktioniert. ‚Die Wächterinnen von New York‘, übersetzt von Benjamin Mildner, ist zwar ein herausragendes Stück Fantasygeschichte, doch es beleuchtet auch Rassismus, Vorurteile, Intoleranz, Queerness, Immigration, Gewalt in der Familie und vieles mehr. Das mag jetzt nach vielen Baustellen klingen, wird aber von Jemisin in einer Art und Weise in die Geschichte gewoben, dass es sich immer natürlich anfühlt und stets zur Reflexion und zum Nachdenken anregt.

Wie der Titel verrät, hat sich Jemisin dieses Mal den Schauplatz New York ausgesucht. Sie selbst lebt mit ihrer Familie in Brooklyn und dadurch hat sie es wohl besonders gut geschafft, New Yorks Atmosphäre einzufangen, die Individualität der Stadtteile, die Mentalität der Menschen. Laut, quirlig, urban, doch auch ein Platz für alle Menschen, egal welcher Herkunft, welcher sexuellen Orientierung, welcher politischen Gesinnung. Ein Melting Pot, der sich auch in den Figuren Jemisins widerspiegelt.
Die Ausgangssituation ist dabei so einzigartig wie man es sich nur vorstellen kann. New York ist auf dem Weg, geboren zu werden. Doch der Avatar New Yorks sieht sich einer kosmischen Macht gegenüber, der er in der anstrengenden Phase der Geburt einfach nicht gewachsen ist. Er taucht tief in die Adern New Yorks ein, um Hilfe zu suchen – und findet sie in fünf ganz unterschiedlichen Menschen, die auf ihre Weise einen der fünf Stadtteile New Yorks repräsentiert.
Hier kann Jemisin also ihr ganzes Können präsentieren: außergewöhnliche Urban Fantasy, gepaart mit greifbaren und komplexen Charakteren, jede*r so einzigartig wie das Leben selbst, mit eigener Vergangenheit und noch unklarer Zukunft. Jemisin erschafft fast unvorstellbare Bilder, zieht die Leser*innen in ihr New York und schafft etwas, das nur ganz wenig vermögen: Eine Geschichte zu schreiben, die nicht nur herausragend ist, sondern auch zum Nachdenken anregt, so, dass man am liebsten mit jedem Menschen darüber reden möchte. Die noch lange nachhallt und die ich allen Leser*innen empfehlen möchte. 5 Sterne.

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Städte sind lebendig. Sagt man so. Doch das ist mehr als nur ein Sprichwort und wenn eine Stadt erwacht, sucht sie sich einen Avatar, der sie verkörpert. Doch im Fall von New York ist etwas schief gelaufen. Denn es gibt Kräfte, die verhindern wollen, dass die Städte lebendig werden und diesmal waren sie schneller. Nach einem ersten Kampf sind die Stadt und ihr Avatar geschwächt, doch im letzten Moment werden fünf Wächter bestimmt. Fünf für die fünf Bezirke und alle so unterschiedlich wie nur New York sein kann. Manny löst Probleme Manhattan-Style: mit Geld. In Brooklyn hört eine ehemalige Rapperin den Beat der Stadt. Und die Kuratorin einer Gemeindegalerie beweist, dass sich die Bronx noch nie etwas hat gefallen lassen. Aber was ist mit Queens und Staten Island? Wenn sie die Stadt und ihren Avatar retten wollen, müssen sie sich beeilen, denn der Feind hat längst damit begonnen, die Stadt zu vergiften. Und wenn sie nicht zusammenarbeiten, droht nicht nur New York unterzugehen.

Erschienen im Tropen Verlag
Band 1 von 2 der Reihe ‚Great Cities‘
Autor*in: N.K. Jemisin
Übersetzt von Benjamin Mildner
ET: 19.03.2022
Seiten: 544
ISBN: 978-3-608-50018-9

Eine Bestellmöglichkeit und einen Blick ins Buch gibt’s hier

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