Rezensionen

Pip Williams: Die Sammlerin der verlorenen Wörter

(Werbung – Rezensionsexemplar)

‚Die Sammlerin der verlorenen Wörter‘ von Pip Williams, übersetzt von Christiane Burkhardt, hat mich sofort angesprochen: Wörter, England, die Rechte der Frauen.. Es hat einfach gut geklungen. Im Großen und Ganzen habe ich das auch alles bekommen, doch nicht alles in der Intensität, in der ich mir das gewünscht hatte. Vor allem der Kampf für die Rechte der Frauen kam mir viel zu kurz und auch die Oberflächlichkeit mancher Zeiträume, ein gefühltes Hetzen durch mehrere Jahre haben mir nicht so gut gefallen.

Die Geschichte dreht sich um Esme, die bei ihrem Vater in Oxford aufwächst, wir begleiten sie in einem Zeitraum von gut 40 Jahren Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. Esmes Vater wirkt beim ersten Oxford English Dictionary mit, es werden Wörter gesammelt, Beispiele gesucht, Belege über die Nutzung des Wortes. Dieses Thema fand ich hervorragend umgesetzt und eingebaut und ich habe es geliebt, den Lexikographen durch das Alphabet zu folgen.
Doch da hauptsächlich Männer an diesem Wörterbuch arbeiten, sind viele Wörter, die Frauen betreffen, sprichwörtlich unter den Tisch gefallen. Und von Esme aufgesammelt worden. Doch nicht nur diese, auch Schimpfwörter oder Wörter, die die Unterschicht benutzt, haben nichts verloren in einem Wörterbuch der feineren Gesellschaft. Eine ziemlich traurige Vorstellung, nicht nur für mich als Leserin.

So liebevoll und detailliert die Thematik des Wörterbuchs behandelt wird, so enttäuscht wurde ich an anderer Stelle. Esmes Kampf für die Rechte der Frauen ist kaum vorhanden und wird nur hier und da erwähnt. Da hat mich der Klappentext leider ein bisschen in die Irre geführt.
Weiterhin wird im Buch ein recht langer Zeitraum abgedeckt, sodass viele Stellen leider sehr oberflächlich bleiben. Vielleicht hätte man das anders lösen können.

Nichtsdestotrotz hat sich Esmes Geschichte sehr schnell lesen lassen und ist vor allem für Freund*innen des Wortes und historischer Romane sicherlich einen Blick wert. Hinten im Buch ist eine Zeitleiste zum Wörterbuch und zu den wichtigsten Ereignissen abgedruckt, so kann man schön nachvollziehen, welche Figuren wirklich gelebt haben und wie sie in ihren historischen Kontext einzuordnen sind. 3 Sterne.

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Oxford, Ende des 19. Jahrhunderts. Esme wächst in einer Welt der Wörter auf. Unter dem Schreibtisch ihres Vaters, der als Lexikograph am ersten Oxford English Dictionary arbeitet, liest sie neugierig heruntergefallene Papiere auf. Nach und nach erkennt sie, was die männlichen Gelehrten oft achtlos verwerfen und nicht in das Wörterbuch aufnehmen: Es sind allesamt Begriffe, die Frauen betreffen. Entschlossen legt Esme ihre eigene Sammlung an, will die Wörter festhalten, die fern der Universität wirklich gesprochen werden. Sie stürzt sich ins Leben, findet Verbündete, entdeckt die Liebe und beginnt für die Rechte der Frauen zu kämpfen.

Erschienen im Diana Verlag
Einzelband
Autor*in: Pip Williams
Übersetzt von Christiane Burkhardt
ET: 11.04.2022
Seiten: 528
ISBN: 978-3-453-29263-5

Einen Blick ins Buch und eine Bestellmöglichkeit gibt’s hier

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