Rezensionen

Theresa Hannig: Pantopia

Ich muss ehrlich sein: Ich weiß nicht, ob ich ‚Pantopia‘ von Theresa Hannig gelesen hätte, wäre es nicht die Mailektüre des Buchclubs ‚Zum Legendarium‘ geworden. Zwar hat mich der Klappentext von Anfang an angesprochen, aber trotzdem hätte ich wahrscheinlich nicht dazu gegriffen. Und das wäre ein riesen Fehler gewesen. ‚Pantopia‘ ist unglaublich, in vielerlei Hinsicht. Spannend, realistisch, schonungslos. Es kritisiert unsere Gesellschaft ohne erhobenen Zeigefinger und gerade das macht es so eindringlich.

Die Idee von ‚Pantopia‘ ist an sich simpel und doch so genial. Eine KI berechnet Weltpreise für Produkte, schafft Gleichheit abseits von Staatsklüngel, erwirtschaftet durch klugen Aktienhandel Millionen, die dann an die, die Teil von Pantopia sind, als bedingungsloses Grundeinkommen gezahlt werden. Gleiche Voraussetzungen für jeden, gleiche Chancen. Klingt nach einem Wunschtraum, macht es aber nicht weniger erstrebenswert. Die KI in ‚Pantopia‘ ist lernfähig und sich ihrer Existenz bewusst – aber als Maschine frei von Gefühlen. Sie berechnet und wägt danach ab, welche Alternative die zielführendste ist. Sie ist frei von dem Streben nach Macht und nicht auf ihren Vorteil bedacht. Sie beurteilt rein nach Logik und zeigt dabei auf, was eigentlich alles so falsch läuft auf unserer Welt. Das kann schon mal zu längeren Exkursen in die Volkswirtschaftslehre führen und etwas philosophisch werden. Und dabei ist es so aktuell und hält der Gesellschaft einen Spiegel vor – und das nicht nur zu Themen wie Klimaschutz, gerechten Löhnen und fairen Bedingungen. Hannig schafft es auch, rassistische Übergriffe und homophobe Erfahrungen einzubauen, die noch mehr unterstreichen, dass wir es einfach nicht geschafft haben, zu tolerieren und, viel wichtiger, zu akzeptieren.

Die technische Seite des Buchs bleibt Gott sei Dank einfach, es ist selbst für mich als Laie nicht zu kompliziert und angenehm zu lesen. Anfangs waren die Kapitel aus Sicht der KI zwar noch sehr befremdlich und abgehackt, doch je mehr sie sich entwickelt, desto interessanter und aufschlussreicher werden ihre Gedankengänge und Überlegungen.

Ich empfehle ‚Pantopia‘ allen Leser*innen, die von einer lebenswerten Zukunft träumen und nicht davor zurückscheuen, sich an die eigene Nase zu fassen.  Belohnt wird das Ganze mit einem spannenden Plot, viel Stoff zum Nachdenken und dem Wunsch, dass irgendein kluger Kopf eine KI entwickelt, die uns hilft, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. 5  Sterne.

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Eigentlich wollten Patricia Jung und Henry Shevek  nur eine autonome Trading-Software schreiben, die an der Börse überdurchschnittlich gut performt. Doch durch einen Fehler im Code entsteht die erste starke künstliche Intelligenz auf diesem Planeten – Einbug.

Einbug begreift schnell, dass er, um zu überleben, nicht nur die Menschen besser kennenlernen, sondern auch die Welt verändern muss. Zusammen mit Patricia und Henry gründet er deshalb die Weltrepublik Pantopia. Das Ziel: Die Abschaffung der Nationalstaaten und die universelle Durchsetzung der Menschenrechte. Wer hätte gedacht, dass sie damit Erfolg haben würden?

„Komm nach Pantopia. Hier sind alle willkommen!“

Erschienen bei Fischer TOR
Einzelband
Autor*in: Theresa Hannig
ET: 23.02.2022
Seiten: 464
ISBN: 978-3-596-70640-2

Einen Blick ins Buch und eine Bestellmöglichkeit gibt’s hier

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