Rezensionen

Sarah J. Maas: Crescent City – Wenn das Dunkel erwacht

Oh mein Gott, was war das denn bitte? Ich habe ja wirklich viel erwartet, Großes erwartet. Doch was ich bekommen habe, ist mehr als groß. Eine alles verschlingende Geschichte, die so unglaublich ist, dass ich kaum Worte dafür finde. 900 Seiten Worldbuilding zum Niederknien, Spannung und eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Ich habe ja aufgrund Sarah J. Maas‘ beider anderen Reihen, die ich über alles liebe, viel von ‚Crescent City – Wenn das Dunkel erwacht‘ erwartet. Sie hat sich – ebenso wie Leigh Bardugo, deren ‚Das neunte Haus‘ für mich ein genialer Reihenauftakt war – in die Erwachsenenfantasy getraut. Und das ist ihr sowas von gelungen. Ein komplexes Worldbuilding, erwachsenere Charaktere und eine anspruchsvolle Geschichte machen den ersten Teil von ‚Crescent City‘ zu einem Buch, dass jeder (!) Fantasyfan gelesen haben sollte.

Wer Maas‘ Schreibstil kennt, wird ihn auch in diesem Buch lieben. Detailliert und einnehmend beschreibt sie Szenen, Orte und Gefühle derart bildhaft, dass es sich anfühlt, als ob mich die Geschichte einsaugen würde um mich 900 Seiten später wieder auszuspucken. Ich war vier Tage echt wie in einem Tunnel, sobald ich zum Buch gegriffen hab hieß es: Welt aus! Ich habe viele gute Geschichten gelesen, doch das schaffen die wenigsten.
Da macht es auch gar nichts, dass die Welt ein bißchen komplexer ist als in ihren anderen Büchern.  Sie führt die neue Welt namens Midgard im nötigen Maße ein, lässt aber noch viele Punkte offen. Midgard ist aus unserer Welt entstanden und in dieser haben Menschen wenig bis keine Rechte Außer in Lunathion, das aufgrund der Form, wie sich der Fluss durch die Stadt schlängelt, auch Crescent City genannt wird. Midgard wird bevölkert von Fae und Hexen, Engel und Meerwesen, Daemonaki und Vampiren. Es ist eine wahre Freude, immer wieder neue Arten kennenzulernen, ihre Eigenarten und Besonderheiten. Die ganzen Hintergründe habe ich noch nicht ganz durchschaut, das große Gesamtbild fehlt mir also noch. Aber es folgen ja noch zwei Bände, darum war das jetzt nicht weiter schlimm. Die Besonderheit Crescent Citys war aber für mich ihre Modernität und Technologie. Handys, Nachtclubs, Taxis, normale Jobs! All das, was man in einem Urban-Fantasy-Roman finden kann wurde hier mit High-Fantasy-Elementen gemixt und es funktioniert sowas von! Hach, ich habe mich ziemlich in die Welt verliebt, die so anders ist als alles, was ich bisher gelesen habe. Laut, nie schlafend, so faszinierend und besonders.

Die Story an sich ist eigentlich ein richtiger Krimi. Leider verraten die Klappentexte schon ziemlich viel, darum weiß man, was passieren wird. Doch der Weg dahin lohnt sich und die Mörderjagd danach sowieso. Anfangs ist die Geschichte eher ruhig, mit einigen Höhepunkten aber wenig Action. Das ändert sich erst gegen Ende hin, was aber bei diesem Umfang auch einige 100 Seiten entspricht. Viele fanden den Anfang langatmig und langweilig, ich fand ihn genial. Man lernt die Figuren und die Welt kennen, ihr Leben und das, was sie antreibt. Ich habe jedes Detail aufgesaugt und die Ermittlungen mit Spannung verfolgt. Natürlich gibt es einige Plottwists und Überraschungen, einige konnte ich erkennen, einige kein bißchen. Die Geschichte ist nichts weniger als episch, auch wenn es nicht diese klassische Heldenepik ist. Sie ist episch in ihrer Detailliertheit, in ihren Figuren und ihrer Welt.

Bryce ist eine Protagonistin, die ich sehr mochte, bei der ich aber definitiv verstehe, wenn man sie nicht mag. Ein Partygirl durch und durch, Musik liebend, Alkohol, Drogen. Doch wie so oft trügt der Schein und es befindet sich mehr hinter der lauten und aufdringlichen Fassade als man vielleicht meint. Sie ist loyal und sehr empathisch und mir gefiel vor allem ihre Beziehung zu ihrer Freundin Danika. Eine richtig intensive Freundschaft, wie ich sie z.B. nur noch aus meiner Kindheit bzw. Jugend kenne. Eine Freundschaft, auf der man ein Leben aufbauen möchte, eine Freundschaft, in der man alle Geheimnisse teilt, alle Probleme, jedes Leid und jede Freude. Mir fällt auf, dass ich selten bis nie von einer derart tiefen Freundschaft gelesen habe, in der man alles geben würde – und alles bekommen.

Jetzt habe ich doch viele Worte gefunden, aber irgendwie schaffen sie es trotzdem nicht, das auszudrücken, was ich bei der Geschichte empfunden habe. Eine dauerhafte und wohlige Anspannung während des Lesens, diese Freude darüber, eine derart unglaubliche Geschichte lesen zu dürfen, Teil einer Welt zu sein, die wirkt, als wäre sie bloß für mich entworfen worden, um mich zu verschlingen, festzuhalten und nur widerstrebend wieder gehen zu lassen. Denn eigentlich bin ich immer noch gefangen in der Geschichte, denke immer wieder an bestimmte Szenen und frage mich, was da eigentlich noch kommen soll. Denn dieser Reihenauftakt ist für mich eigentlich nicht mehr zu toppen. So perfekt ist er für mich gewesen. 5 Sterne und noch viel mehr.

Klappentext

Die Fantasy-Sensation des Herbstes: die neue Reihe von Bestsellerautorin Sarah J. Maas

Magie, Musik – und tödliche Gefahren: Die junge Bryce Quinlan, Halb-Fae und Halb-Mensch, genießt jedes Vergnügen, das Crescent Citys Nächte zu bieten haben. Doch dann wird ihre beste Freundin Danika von einem Dämon brutal ermordet – und für Bryce bricht die ganze Welt zusammen.

Als der Dämon zwei Jahre später erneut zuschlägt, wird Bryce gegen ihren Willen in die Ermittlungen hineingezogen und muss mit Hunt Athalar zusammenarbeiten. Einem Engel, der als gewissenloser Auftragsmörder berüchtigt ist, – und mit dem sich Bryce auf ein Spiel mit dem Feuer einlässt.

Während die beiden der Spur des Dämons tief in die Unterwelt der Stadt folgen, entdecken sie eine bösartige Macht, die ganz Crescent City in Schutt und Asche legen könnte …

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Für einen Blick ins Buch klicke auf das Cover

Bibliographie

dtv Verlag
Übersetzt von Franca Fritz und Heinrich Koop
Band 1 von 3 der Reihe ‚Crescent City‘
ET: 18.09.2020
Hardcover 22,00 €, eBook 16,99 €
928 Seiten
Ab 16 Jahren
ISBN: 9783423762960
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